Donnerstag, 2. Mai 2013

Mostly working part 2

Melbourne. Am Montag fahren Adam und ich noch ein bisschen auf der Mornington Halbinsel spazieren. Mir gefällt es hier sehr gut, es ist definitiv eine Sache, die man sich einmal anschauen sollte. Gerade die bunten Strandhäuser, die Sandstrände und das ruhige, flache Meer mit den tollen Farben. Seesterne, Klippen, klares Wasser. Generell auch eine schöne Landschaft, grün, voller Gummibäume und wilde Tiere. Man hat einen beeindruckenden Blick auf Melbourne von Arthur's Seat aus. Wir gehen auch noch Erdbeeren pflücken. Es ist fast perfekt hier, nur echt schade, dass man innerhalb der Bay einfach nicht surfen kann!

Küste

Jep, dahinten ist Melbourne. In echt besser zu erkennen.

Abends fahren wir wieder nach Mount Martha zurück um den Geburtstag von seiner Mutter zu feiern.
Sarah (von Hays) ruft mich zwischendurch an und fragt, ob ich am nächsten Tag in Melbourne sein kann um ein längerfristiges Assignment anzunehmen. Ach und ob ich ein Problem damit hätte, über Mord und Raub zu lesen. Natürlich nicht. Also habe ich ab dem nächsten Tag wieder einen Bürojob und fahre noch am selben Tag zurück zu meiner Wohnung in South Yarra.
Dienstag stehe ich um halb 10 vor einem Bürogebäude in der Innenstadt. Office of Public Prosecutions heißt es, das Büro der öffentlichen Strafverfolgung. Es ist etwas krasser bei der Sicherheitskontrolle. Ich muss meinen Pass vorlegen, eine Schweigepflichtserklärung unterschreiben und bekomme einen Pass mit Foto. Oben angekommen bekomme ich meinen eigenen Schreibtisch, eine E-Mail Adresse und eine Telefonnummer. Beim Einarbeiten merke ich, dass es diesmal doch recht anspruchsvolle Arbeit wird.
Wenn die Polizei von Victoria jemanden festnimmt muss er ja auch seines Verbrechens angeklagt werden. Die Polizei sammelt Aussagen, die die Schuldigkeit und die Rechtmäßigkeit des eigene Vorgehen beweisen um den Angeklagten hinter Gitter zu bringen. Die gesammelten Aussagen und Beweismittel gehen dann an das OPP, das die Fälle für die Staatsanwälte vorbereitet.
Das bedeutet für mich konkret, dass ich die Fälle für Verteidigung,  den Richter und das Gefängnis (heißt hier übrigens gaol und nicht jail) einscanne und vorbereite. hat der Angeklagte auf "schuldig" plädiert, scanne ich sämtliche Aussagen und (textbasierte) Beweismittel ein und lösche mit einem Tool sämtliche private Telefonnummern, Adressen und alles andere was die Verteidigung nicht erfahren soll.
Hat er auf "nicht schuldig" plädiert, sortiere ich den ganzen Fall nach einem gewissen Schema, muss teilweise sogar die Aussagen lesen, erstelle einen Index und erfrage beim Solicitor, also dem Anwalt, fehlende Aussagen und Beweismittel. Das ganze ist sehr spannend. Ich lese Fälle über Mord, Raub, Folter, Vergewaltigung, Inzest und alles, was so krass ist, dass es vor County- oder sogar Supreme Court of Victoria angeklagt wird. Hier ist es so, dass nur Verbrechen, die in mehreren Staaten begangen wurden, vor Bundesgerichten behandelt werden. Es sind also die schwersten Fälle in Victoria.
Ich kriege dadurch einen Einblick in die Abgründe von Melbourne. Nach meiner Erfahrung sollte man den Bezirk Ferntree Gully übrigens meiden. Und mit Chrystal Meth (Hier übrigens unter dem Namen ICE erhältlich) ist definitiv nicht zu spaßen!
Es beginnt eine sehr gute Zeit. Ich arbeite knapp Vollzeit im OPP, übernehme trotzdem noch weiter Schichten bei Dominos am Abend und am Wochenende. Jeden Dienstag und Donnerstag nehme ich mir abends frei um beim MCC Lacrosse zu spielen. Ich werde immer besser, was wahnsinnig Spaß macht. Im Endeffekt kann ich leider nur ein Spiel spielen, schieße aber die Hälfte unserer Tore. Das wir trotzdem 18:2 verlieren ist an dieser Stelle egal.
So vergehen die nächsten Wochen in Melbourne für mich. Arbeiten morgens, arbeiten Abends. Freie Tage werden mit irgendwas schönem gefüllt.
Zwischendurch wohnt Andrea bei mir, die auch in Vancouver schon kurz in unserer WG gewohnt hat. Sie entscheidet sich wegen des mittlerweile immer mieseren Wetters aber dagegen länger in Melbourne zu bleiben und die letzten Monate ihrere Weltreise lieber in Asien zu verbringen. Es stimmt. Es ist kalt hier im Herbst. Es gibt immernoch schöne Tage, die sich wie Frühling in Deutschland anfühlen, aber generell ist es doch bedeckt bis wolkig, windig und kalt. Mit Andrea fahre ich noch die berühmte Great Ocean Road runter. Sie hat einen Van und wir erwischen einen traumhaften Tag. Toller Tag!


Anfang der Great Ocean Road

Die berühmten 12 Apostel. Nicht im Bild: Die anderen 1000 Touris an der Stelle.

Great Ocean Road

Andreas megageiler Van

Während der Zeit gehe ich auch mit Andrea,  Adam und Jasmine zum ersten Mal zu einem Aussie rules football (AFL) Spiel. Es ist die australische Variante von Gaelic Football, man hat einen ganzen Haufen Spieler, die gegeneinander im Rugby Style versuchen den Ball in das gegnerische Tor zu schießen. Ich möchte es hier nicht näher erklären, es ist aber auf jeden Fall mal einen Blick wert. Die Stadien sind gigantisch. Der Melbourne Cricket Ground, der zum MCC gehört, wo ich lacrosse spiele, fasst 80.000 Fans. Zu einem normalen Ligaspiel kommen einfach mal 70.000 Menschen. Alle Fans unterschiedlicher Teams sitzen brav nebeneinander und gucken gemeinsam. Es bleibt komplett ruhig. Es gilt zero Tolerance, wer sich daneben benimmt fliegt raus. Sehr Familienfreundlich ist das ganze zudem. Ist bestimmt ne tolle Sache für Kinder, tötet aber die Stimmung doch sehr ab. Nun gut. Kein Urteil an dieser Stelle.

AFL
Ich treffe außerdem die beiden Holländerinnen Nicky und Nina wieder, mit denen ich auf Neuseeland gereist bin und unternehme immer wieder etwas mit den Beiden. Ich liebe Besuch.  Er bringt einen immer dazu sich auch in seiner Freizeit aufzuraffen und etwas schönes zu unternehmen.  Ob es nun Touri Kram ist oder einfach noch malbin eine Bar zu gehen obwohl es eigentlich schon zu spät ist. Außerdem ist man, wenn man im Hostel wohnt doch generell feierwütiger und so habe ich dank den beiden einige Nächte, in denen ich nur kurz oder gar nicht schlafe. Ich muss halt morgens immernoch arbeiten. Und zu Dominos.
Eine andere Sache, die meine Zeit in Melbourne echt extrem gut gemacht hat ist Couchsurfing. Ich habe zwar weder auf einer Couch geschlafen, noch hat jemand bei mir geschlafen, aber dadurch, dass es fast jeden Tag von unterschiedlichen Leuten organisierte Treffen gibt, wird einem echt nicht langweilig. Diese Treffen reichen von gemeinsam Game of Thrones (oder jede andere Serie) gucken über einfach nur auf einen Kaffee treffen bis zum obligatorischen Trinken und Kennenlernen. Jeden Dienstag ist ein Treffen in einem Irish Pub in North Melbourne, wo ich einen Haufen netter Leute kennenlerne. Das kann man übrigens in jeder größeren Stadt machen! Irgendwann treffen wir uns auch außerhalb dieser Treffen und es läuft am Schluss einfach so perfekt, dass ich nicht mal richtig Lust habe Melbourne zu verlassen. Es spricht auch alles dagegen.
Ich habe eine klasse Wohnung in einem der besten Viertel von Melbourne, die ich bezahlen kann. Außerdem suchen sie jetzt auch nach einem Nachmieter. Das OPP möchte mich gerne weiter beschäftigen und die Lacrosse-Saison fängt gerade erst richtig an. Zudem habe ich Freunde in der Stadt, die auch erst mal länger da bleiben möchten und es ist einfach viel zu gut um einfach zu gehen. Ach, das mein Visum noch bis Januar geht, habe ich gesagt, ja?
Naja. Ich habe einen guten Grund um nach Deutschland zurück zu gehen und das ist ein recht vielversprechendes Interview in einer großen Firma. Und das ist Anfang Juni. Es ist einfach mal wieder mieses Timing.
Die letzten Tage und Wochen vergehen wie im Flug, plötzlich ist mein vorletzter Tag, an dem ich mit Louis und Mathieu von Couchsurfing und Adam noch einen letzten Abend in der Chapel Street ausgehe. An meinem letzten Tag klapper ich mit Hana von Couchsurfing noch einige der Sehenswürdigkeiten ab; Federation Square, den kostenlosen Visitor-Shuttle, Harbour Town, Eureka Tower. Alles während der Zeit hier nicht geschafft. Abends gibt es Känguruh-Steak. Schmeckt übrigens wie Strauß (Gott, wie das schon wieder klingt)..also wie eine Mischung aus Rind und Wild. Extrem lecker und es ist auch preislich eine echte Alternative zu Beefsteak. Soll auch gesünder, weil fettärmer sein.

Eureka Tower


Fed Square und Flinders St Station
Freitag quäl ich much ein letztes Mal aus meinem Bett. Dann noch schnell letzter Arbeitstag und um 8 Uhr sitze ich im Flugzeug nach Sydney. Das mein Flug zunächst gecanceled wurde, war nach einem kurzen Telefonat geklärt. So bekam ich einen früheren Flug mit einer besseren Airline in einem mega modernen Flugzeug. Not too bad.
Melbourne, ich liebe dich und jeden der dort wohnt. Es ist eine tolle Stadt und ich könnte mir echt vorstellen hier noch einmal länger zu wohnen. Ich würde es als eine Mischung aus Berlin (Kunst, Kultur), Barcelona (Atmosphäre und Strand) und Vancouver (Modern und sauber) bezeichnen. Es hat natürlich wesentlich mehr Facetten. Und extrem guten Kaffee und hübsche Menschen! Meine Lieblingsstadt nach Berlin bis jetzt!
Ich hoffe, ich kann den nächsten Blogeintrag ein bisschen schneller schreiben. Gerade sitze ich in Brisbane rum, habe das grandiose 3:0 von München geschaut und fahre gleich mit dem Greyhound Bus hoch nach Rainbow Beach. Adventures await. Once again.

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