Samstag, 29. Dezember 2012

Peru, Bolivia und Chile



Cusco, Peru. Wir landen über der Großstadt Cusco, in der mehr als 300.000 Menschen in knapp 3500m Höhe über dem Meeresspiegel leben. Was direkt auffällt, Muddi: Neben der dünnen Luft, ist, dass es kaum Hochhäuser hier gibt. Von oben sehen die tonfarbenen Häuser alle mehr oder weniger gleich hoch aus.
Mit dem Taxi geht es ins Hostel „Loki“, was mir gleich von mehreren Leuten empfohlen wurde. Wie der Zufall so will kommen wir genau an der „1.000.000th Loki Night“-Party an und die Übernachtung ist kostenlos.
Wir sind zwar noch fertig vom Flug und der kurzen Nacht, aber wir entscheiden uns trotzdem dazu Cusco direkt zu erkunden. Es ist eine sehr schöne, alte Stadt mit tollen Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel den Dom am Plaza de Armas und vielen Kunst- und Ramschmärkten. Jessi: Souvenirs für jederman ;) 
Nach der Tour legen wir uns noch einmal kurz ins Bett Jessi: O-Ton unseres Mitbewohners: "She took my bed!" (Muddi, du liegst im Falschen!) und dann ist abends die besagte Party. Muddi: Die kann gar nicht so toll gewesen sein, sonst würd ich mich an was erinnern…Jessi: :D oh, doch! Muddi: Ach ja?! Ruhe Jetzt!!!

Cusco liegt, wie gesagt, auf ca. 3500m über NN, das ist ein Fakt, den man ziemlich schnell mitbekommt. Ich leide ständig unter Atemnot beim Treppensteigen, es wird einem sehr schnell schwindelig und der Alkohol wirkt viel schneller. Jessi: ja, wir haben herausgefunden, warum das Negative am Hostel, der Berg auf dem es errichtet ist, war....Die Nacht ist drei Bier und eine „Bloodbomb“ lang, der Morgen wesentlich länger. Wir hatten eigentlich geplant uns gegen 9 auf den Weg zur berühmten Ruine von Machu Picchu zu machen, als wir dann endlich Abfahrtsbereit sind, ist es halb 1.
Genau wissen wir noch nicht, wie wir dahin kommen. Wir haben einen groben Plan und lassen uns von einem Taxifahrer zum Busbahnhof bringen. Er fragt, ob wir nicht lieber die Minibustaxis nehmen wollen, die wohl wesentlich schneller fahren. Wir überlegen kurz und lassen uns dann zu der Minibus-(oder Collectivo-) „Haltestelle“ bringen. Es ist keine schöne Gegend. Alles sieht ziemlich heruntergekommen aus, Dreck und Müll liegt auf der Straße und viele Minibusse stehen in einer Reihe. Sofort als wir aussteigen, sind wir umringt von Menschen, die auf Spanisch auf uns einreden. Wir nehmen an, sie sagen uns, wir sollen doch ihr Taxi nehmen. Muddi: Sehr schön auch der hilfesuchende Blick von Niko zu mir und Jessi.

Wir stehen erst mal einige Augenblicke etwas perplex da und hören zu. Ein Taxi sieht fast voll aus und wir fragen ob wir noch reinpassen. Wir wissen, dass wir nach Santa Teresa und von dort aus nach Aguascalientes müssen. (Was im Nachhinein ein bisschen zu wenig Detailwissen über die Strecke war!). Der Busfahrer verkauft uns ein Ticket bis Santa Teresa, erklärt aber, dass er uns in Santa Maria rauslassen wird. 35 Sol für die erste Strecke + 10 Sol für die Zweite. Wir willigen ein und setzen uns in den Bus.
Der Weg nach Santa Maria führt durch die Anden, den Bus schlängelt sich die Berge rauf, runter, Serpentinen, wir sehen Seen, Berge, Bachläufe, kleine Dörfer. Irgendwann schlängelt sich die Straße hoch in die Berge, Bäche fließen über die Straße, ein Regenbogen zeigt seine Farben in einer Senke. Wir fahren höher und höher, bis wir schließlich in den Wolken sind. Leider geht es nicht über die Wolken, sondern bleibt einfach neblig für eine halbe Stunde, bis wir auf der anderen Seite des Berges wieder nach unten fahren.

Landschaft.

Leider unscharf, aber fahrende Collectivos und so...
Irgendwann kommen wir in Santa Maria an. Es ist ein kleines Nest mit ein paar Geschäften. Aufs Klo kann man nicht, weil das Wasser nicht funktioniert. Einen Anschluss“bus“ gab es einfach nicht Jessi: Doch, gab es wohl schon, nur eben erst eine Stunde später… und eine sehr nette Frau, die ausschließlich Spanisch sprach, bot uns ihre Hilfe an. Der Collectivofahrer hatte uns wohl übers Ohr gehauen, schließlich hatte er die 10 Sol für die Strecke Santa Maria nach Santa Teresa schon eingesteckt. Naja. Wir teilen uns mit ihr ein Taxi und fahren dann nach Santa Teresa. Muddi: Taxi ist gut. Nachdem der Beifahrer ununterbrochen seine Hand auf der Handbremse hatte und der ca. 18 jährige Junge recht unsicher fuhr ging uns auf, dass wir mitten in einer Fahrschulstunde gelandet sind. Was gerade auf der Straße recht abenteuerlich war. Rechts Berg, links Klippen. Enge Straße. Holzbrücken ohne Seitenbegrenzungen, auf die gerade ein Auto passte…Jessi: nicht zu vergessen die kleinen Flussläufe, welche ungehindert über die Sraße flossen. Muddi: "Klein" ist aber auch leicht untertrieben...

Santa Teresa ist plötzlich wieder völlig touristisch angelegt. Um den kleinen Hauptplatz ist eine Sammlung von Hotels, Restaurants und kleinen Läden. Es ist zwar erst 6 Uhr, aber die Sonne geht schon unter. Nach ein paar Diskussionen mit Taxifahrern, wie wir nun nach Aguascalientes kommen (Nein, wir meinen nicht die „Aguas Calientes“, die heißen Quellen in der Nähe), entscheiden wir uns eine Nacht hier zu bleiben und am frühen Morgen weiter zu fahren. Muddi: Wir hatten auch das ungute Gefühl, dass die Menschen hier gar kein Spanisch sprechen und verstehen. In der Nähe finden wir ein günstiges Hostel und bekommen ein quietschbuntes 7-Bettzimmer für uns alleine. Muddi: Die pinke Hundedecke hat so schön zu Niko gepasst. Wir wollen noch was essen und schauen uns das kleine Städtchen an. Auf dem Dorfplatz ist ein Tanzfest im Gange mit einem Tanzkönig und einer Tanzkönigin und eine Band spielt gewöhnungsbedürftige peruanische Volksmusik. Jessi: Da gings auf jeden Fall ab!
An einem Stand gibt es Fleischspießchen mit Kartoffeln für 1 Sol. =unser Abendbrot. Dann schauen wir der Band zu, bis auf einmal das Licht ausfällt. Muddi: Und die Musik auch. Stromausfall in Santa Teresa. Es ist stockdunkel. Kein Restlicht mehr, die Sonne ist lange untergegangen und es ist bewölkt. Wir machen uns auf den Weg zurück ins Hostel und um 5 klingelt der Wecker, wir wachen auf und suchen uns ein Collectivo nach Aguascalientes. Jessi: Eigentlich suchte das Collectivo uns und andere Fahrgäste…man könnte sogar meinen, dass sich manche Mitfahrer spontan dazu entschlossen hatten auch nach Aguascalientes zu fahren - wenn der Collectivo-Fahrer schon fragt…
Nach Machu Picchu kommt man per Zug oder zu Fuß. Der Zug kostet fast 20USD Jessi: Oneway!!, so entscheiden wir uns für den Fußmarsch von „Hidroelectrica“ nach Aguascalientes. 8km. Es ist doch ziemlich anstrengend in der Höhe, aber wir schaffen es schließlich und entscheiden uns, einfach noch eine Nacht hier in einem Hostel zu verbringen um uns einfach den Stress zu ersparen den Weg am gleichen Tag zurücklaufen zu müssen. Muddi: Und weil ich mich mies krank gefühlt hab. :-(

Er brachte uns von Hidroelectrica fast den ganzen Weg nach Aguascalientes.

Wir waren nicht die Einzigen, die zu Fuß gegangen sind.
So kamen wir dann im Endeffekt von Cusco ohne Tour nach Machu Picchu:
Cusco à Santa Maria (5h Fahrt mit dem Collectivo)
Santa Maria à Santa Teresa (1,5h Fahrt mit dem Taxi)
Übernachtung in Santa Teresa
Santa Teresaà Hidroelectrica (30min Fahrt mit Collectivo - Eigentlich kein Ort, sondern die Baustelle für einen Damm)
Hidroelectrica à Aguascalientes (2,5h zu Fuß)
Aguascalientes à Machu Picchu (30min mit Bus oder 2,5h zu Fuß)
Jessi: es gibt definitiv bessere Wege ;). Zum Beispiel ist unser Rückweg außerordentlich gut gelaufen! Einfach ein Collectivo von Hydroelectrica nach Santa Maria und dann wechseln für den restlichen Weg nach Cusco – klappt sicher auch für den Hinweg.

Frühstück, Hostel, Ticket kaufen (120 Sol, ca. 40€), Busticket kaufen (9USD). Muddi ist leider krank und entscheidet sich gegen Machu Picchu, schließlich war sie vor ein paar Jahren schon mal oben. Jessi und ich fahren mit dem Bus von Aguascalientes nach Machu Picchu (Das wären noch einmal 8km Bergauf gewesen). Jessi: In der Höhe, wäre ich sicher nicht mehr in der Lage gewesen, das zu erklimmen!!
Machu Picchu ist sehr beeindruckend. Jessi: !!!! Daran können auch die Touristenmassen nichts ausrichten. Die Anlage ist wesentlich größer, als ich sie mir vorgestellt habe. Wir laufen bis zum Sun Gate Jessi: Das war nicht das Sun Gate, sondern der Punkt, von welchem man es sehen kann, wenn denn die Sonne richtig steht. Und es war super anstrengend dort hoch zu kommen!, dem Ende des Inkatrails und haben so einen schönen Überblick über das Tal. Wir verbringen Stunden damit, nur in der Anlage herumzulaufen. Jessi: Oder auch herumzusitzen und die verschiedenen Aussichten zu genießen.Viel mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen, es ist etwas, was man selbst mal erleben sollte. Auf den Waynapicchu dürfen wir leider nicht rauf, es gibt täglich nur zwei Gruppen (Um 8:00 und um 10:00) und wir sind einfach zu spät (und vermutlich wäre es eh viel zu anstrengend gewesen.).

Wie oft dieses Foto wohl schon geschossen worden ist?

Die ganze Anlage ist sehr beeindruckend.
Am nächsten Tag kommen wir recht problemlos nach Cusco zurück (Einfach den Hinweg rückwärts. Klappt wesentlich besser.) Ich werde nur jetzt auch krank und verbringe die nächsten Tage im Schongang.

Von Cusco fahren wir nach Arequipa. Viel gibt es dazu nicht zu erzählen, sehr touristischer Ort, haufenweise Taxis. Netter zentraler Platz (Die hier alle Plaza de Armas heißen). An einer Stelle wird man so oft von Reiseveranstaltern und Restaurantwerbern angesprochen, dass wir da zum Spaß noch einmal lang gehen. Wir kommen zufällig in dem Partyhostel Wild Rover unter, was mir zu dem Zeitpunkt irgendwie so gar nicht passt.
Aber Arequipa ist auch nur der Ausgangspunkt für unsere Fahrt zum Colca Canyon. Das ist wieder so ein Naturschauspiel, das auf Bildern wesentlich besser kommt. Der Canyon ist riesig und während der Trockenperiode ist er von Wüste umgeben. Es gibt hier viele (Mehrzahl von Kondor) Muddi: Kondore, wie Kondome und man streitet, ob es es der tiefste Canyon der Welt ist. Da wir nun alle angeschlagen sind, entscheiden wir uns gegen die  ziemlich anstrengende Wanderung durch den Canyon und bleiben an den Aussichtspunkten oberhalb. Muddi: Wo wir am Ende stundenlang in der windige Kälte auf einen Bus warten um dann zu erfahren, dass er ausgefallen ist.

Cabanaconde, der Ausgangspunkt unserer selbstgeleiteten Tour in den Colca Canyon.

Colca Canyon.

Colca Canyon.

Colca Canyon.
Von Arequipa geht es mit dem Nachtbus weiter nach Puno (Punopunopunopunoooooo), wo wir die Islas Flotantes besuchen, die schwimmenden Inseln auf dem Titicacasee. Sehr beeindruckend, die Inseln werden von Hand aus Erde und Schilfgras gebaut und nach ca. 6 Monaten Bauzeit halten sie sogar kleinere Baustrukturen aus. Es läuft sich wie auf Watte und es riecht leicht faulig. Familien leben auf den Inseln. Teilweise als Eigenversorger, teilweise durch die Touristen, die auf die Inseln kommen. Es gibt sogar ein Restaurant, einen „Supermarkt“ und eine Bar. Auch Strom ist teilweise vorhanden, und eine Satellitenschüssel verrät einen Fernseher. Jessi: Wenn man lange genug an einer Stelle steht, dann bekommt man auf den Inseln aber doch nasse Füße. Und mit lange genug, meine ich einen Zeitraum unter zehn Minuten. Eingebrochen ist jedoch keiner.

Las Islas Flotantes.

Die "Hauptinsel".
Von Puno geht es über die Grenze nach Bolivien, nach La Paz.
Mittlerweile geht es mir wieder besser, wir bleiben zwar auf der gleichen Höhe, aber man scheint sich irgendwann daran zu gewöhnen.
Wir haben plötzlich Zeitdruck, weil wir am 24. am Strand in Chile liegen wollen. Unser Plan, die berühmte Salar de Uyuni für mehrere Tage zu besuchen und dann bei San Pedro de Atacama die Grenze zu überqueren wird von den streikenden Grenzbeamten dort durchkreuzt. Jessi: Wer oder was genau streikt haben wir eigentlich nicht wirklich herausbekommen können…Wir müssen umdisponieren und fahren mit dem Nachtbus 11 Stunden in die Wüste, verbringen den Tag dort und fahren dann die gleiche Strecke  zurück nach La Paz um mit dem Bus Richtung Arica im Norden die Grenze zu überqueren. Muddi: Solche Späße führen dazu, dass man 3 aufeinanderfolgende Nächte in semi-gemütlichen Nachtbussen anstatt in weitaus bequemeren Hostelbetten verbringt.
Aber der Reihe nach, La Paz ist eine chaotische, quirlige und sehr günstige Stadt. Das Hostel kostet 6€ die Nacht und gehört zu den Loki Hostels. Jessi: Loki Loki Loki, oi oi oi.
Parties, Club, Kunstmarkt, billiges, sehr gutes Essen und einmal Abseiling für knappe 15€. Sehr gute Zeit. Muddi: Bis auf den Moment, als die betrunkenen Engländer zu dem Trugschluss kamen, ihre Primärgeschlechtsmerkmale würden frischer Luft bedürfen.

Die Tour in die Salzwüste Salar de Uyuni ist tief beeindruckend. Das schneeweiße Salz erstreckt sich bis zum Horizont, auf dem Boden bilden sich Sechsecke Muddi: Beim genaueren hingucken haben wir sogar Fünfecke entdeckt!!! und wo Wasser ist, spiegelt sich der tiefblaue Himmel auf dem Boden. In der Regenzeit wird die Salar zum größten Spiegel der Welt und auf Fotos sieht es aus, als würde man im Himmel auf den Wolken stehen. Da wir „leider“ in der Trockenzeit hier sind, machen wir, so wie alle anderen, „nur“ ein paar Fotos mit lustig veränderten Perspektiven.
In der Mitte der Wüste erhebt sich die Isla Incahuasi, eine Art Oase mit Lamas und vielen Kakteen. Muddi: Tausend Jahre alten Kaktussen!
Wir besuchen noch das Salzhotel und ein Salzmuseum, bevor wir die Heimfahrt antreten.

Die Salar von Incahuasi aus.

Flaggen.

Unser Gefährt.

Hat nicht so ganz geklappt. Eigentlich sollten die beiden aus meinem Schuh fallen :-).

Es war übrigens recht warm. Ich hatte nur nen Sonnenbrand und war deshalb so eingepackt.

Salz. Eindeutig.

Engel links, Teufel rechts.

Muddi?! Aaah..

Muddi ist böse!
Die berühmte Deathroad müssen wir leider auslassen, da man die Tour nur einen Tag im Vorraus buchen kann. Da ausserdem die Grenze nach Chile nur tagsüber offen ist und wir dadurch keinen Nachtbus nehmen können, müssten wir los, bevor die Tour zu Ende ist. Und da wir nicht noch zwei Nächte bleiben wollen, entscheiden wir bzw. vor allem ich mich schweren Herzens dagegen.

Wir überqueren die unentspannte Grenze nach Chile (Es dauert Ewigkeiten) und fahren bis nach Iquique, eine kleine Stadt am Strand im Norden, wo wir Weihnachten verbringen. 


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