Montag, 17. Dezember 2012

Un poquito de México y Puerto Maldonado, Perú



Playa del Carmen, Mexiko. Ich werde von allen Nordamerikanern beneidet, dass ich ein paar Tage in der Gegend um Cancún in Mexiko verbringen darf. Es ist ein beliebtes Reiseziel und so höre ich viel Gutes. So freue ich mich auf ein paar Tage am Strand und einen Ausflug zu den berühmten Maya-Ruinen von Tulúm, die so ziemlich jedes Titelbild eines Mexiko-Reiseführers zieren.
Um 6 Uhr abends lande ich und es ist schon dunkel, aber noch sehr warm. Ich habe nur eine grobe Vorstellung, wie und wo ich hier ein Hostel finde. Playa del Carmen soll viel schöner sein als Cancún und so will ich irgendwie dorthin finden und dann vor Ort gucken.
Als ich bei der Gepäckausgabe aufs Klo gehe (Noch im Sicherheitsbereich), merke ich schon, wie ein eifriger Klomann ständig putzt und einem Papierhandtücher reicht. Ich bedanke mich, aber der Herr zeigt dann doch auf seine Hand und will einen US-$ für seinen Service. Ich kann ihn nicht bezahlen, ich habe kein Bargeld. „Nicht mal Kanadisch“, meint er? Das fasst den Service in Cancun so ziemlich zusammen. Jeder will für jede Gefälligkeit Trinkgeld. Am liebsten US-$. Das wurde auf Dauer extrem nervig.
Mit meinem Rucksack gehe ich vor das Terminalgebäude, wo schon die Taxifahrer warten und ihre Dienste lautstark anbieten. Taxi? Taxi? Taxi? Taxi señor?



Die Taxifahrer (Schematische Darstellung)

Ich kann mich zum öffentlichen Bus durchkämpfen und kaufe mir ein Ticket. Dann besorge ich mir noch eine Flasche Wasser mit Dollar an einem Kiosk und komme so an meine ersten Pesos, natürlich zu einem grauenhaften Wechselkurs. Auf der Fahrt mit dem öffentlichen Bus nach Cancun spricht mich ein Mädel aus Mexiko an. Sie kommt gerade aus Mexiko-Stadt (Está MUY caotica! Sehr chaotisch. Na wenn das schon eine Mexikanerin sagt…) und ich merke wie eingerostet mein Spanisch ist. Nun ja. Sie empfiehlt mir ein Hostel, ich tue wir mir geheißen, suche es, checke ein und verbringe meinen Abend mit Pizza und Brettspielen in der Hostellobby.
Am nächsten Tag wache ich früh auf und kann mir so Tulúm und Cobá an einem Tag anschauen. Es sind zwei Ausgrabungsstätten von Tempelanlagen und Mayapyramiden. Sehr beeindruckend, tolle Fotomotive aber leider auch völlig überlaufen. Sie gehören nun mal zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Mexiko. Fotos davon kennt auch schon jeder, daher nur dieses Eine.

Tulúm liegt direkt am Meer. Dieser Strand war gesperrt.
Dann packe ich meine Sachen und fliege nach Lima in Peru um mich dort mit meinen ehemaligen Komilitoninnen und guten Freundinnen Anna (Muddi) und Jessi wieder zu treffen.

Sie waren lange Monate Leser dieses Blogs und nun bekamen sie die einmalige Chance mir beim Schreiben von magischen Worten über die Schulter zu schauen und ihren Senf dazu zu geben. Ich präsentiere. Fleischhut unterwegs. Featuring Muddi und Jessi.

Lima, Regenwald und Cuzco. Ich komme spät am Abend in Lima an und suche neben den schon bekannten Taxifahrern das vom Hostel gerufene Taxi. Ich finde ihn recht schnell und er ist sehr nett. Aber die Fahrt ist furchteinflößend. Nicht die Stadt, oder dass es schon dunkel ist. Der Fahrer fährt ganz furchtbar, er schneidet Kurven und drängelt etc. (Selbst für südamerikanische Verhältnisse übertrieben, wie ich später feststelle). Dann biegt er in eine Nebenstraße ab und überfährt mit voller Absicht ein Fahrrad, dessen Fahrer direkt daneben steht und uns verdutzt, aber unverletzt nachschaut. Und das obwohl auf der Straße viel Platz und kein Gegenverkehr war. So sitze ich da und hoffe, dass die Fahrt bald zu Ende ist. Eine halbe Stunde später komme ich an und checke beruhigt ein.

Die Mädels hatten mir vorher gesagt, dass ich sie "auf dem Dach" treffen werde, also gehe ich eine Treppe hoch! Es ist megawitzig, wenn man sich ein halbes Jahr nicht gesehen hat, sich an einem komplett anderen Ort in einem komplett anderen Umfeld wieder trifft! Am Ende der Treppe ist eine Dachterasse, komplett mit Tischtennisplatte, Kicker und ein wenig Aussicht. Die Beiden sitzen in einer Sofaecke und schreiben an ihren Tagebüchern. Wir freuen uns riesig uns wieder zu sehen, in Berlin gab es eine Zeit, in der wir mit einigen Anderen, mindestens einmal die Woche etwas unternommen haben. Sie haben einen Ersten Advents-/Wiedersehenstisch aufgebaut und es gibt Smoothies, Bier und Schokolade! Ich bin sehr gerührt. Es gibt viel zu reden und so bleiben wir auf dem Dach bis spät in die Nacht. Am nächsten Tag fliegen wir um 9 Uhr ab. Also keine Ahnung wie Lima ist. Jessi: Wir durften es herausfinden, schließlich mussten wir einen Tag länger auf dich warten, als geplant. ;) Es ist nett aber riesig.

Jessi, Muddi, Ich. Adventskerze. Vorne Schoki, Bier und Smoothies.
Die nächsten Tage verbringen wir in der Gegend Madre Dios um Puerto Maldonado an einem der Amazonas-Quellflüsse namens Tambopata. Nach dem kurzen Flug (Mein Fünfter innerhalb von 10 Tagen) landen wir auf dem kleinen (internationalen!) Flughafen von Puerto Maldonado. Das Terminalgebäude ist kaum länger als das Flugzeug. Wir sehen, wie die Koffer draußen auf Handwagen zum Gepäckband geschoben werden und von Hand aufgeladen werden. Drei Meter weiter kommt das Gepäckband ins Terminalgebäude, wir nehmen unsere Rucksäcke und gehen vor die Tür. Es ist heiß. Extrem heiß. Und drückend. Taxisituation wie oben beschrieben. Wir haben eine Reservation...Jessi: Hihi…frisch aus Kanada eingeflogen...pardon, Reservierung, in einem Hostel und nehmen ein Taxi. Es kostet 5 Sol (1,50€) und sieht ein bisschen aus wie ein Tuk-Tuk – mit drei Rädern und an den Seiten offen. Jessi: Vielleicht noch schön zu erwähnen, wie wunderbar einfallsreich sie unsere drei Rucksäcke mit Spanngurten auf der sogenannten Ladefläche festgebunden haben.
Das Hostel ist nicht so gut, die sehr junge Besitzerfamilie kümmert sich kaum, der Pool hat kein Wasser, es gibt kaum Gäste, die Küche ist eklig dreckig. Muddi: Versprochenes Warmwasser und Restaurant: Fehlanzeige. Aber das Zimmer ist gut. Wir entscheiden uns trotzdem zu kochen und machen uns auf den Weg in das Dorf. Mit dem Collectivo (Minibustaxis. Ähnlich wie die in Afrika.) kommt man für 1 Sol (Vielleicht 30c) von unserem Hostel ins ca. 5km entfernte Zentrum. Wir haben keine Ahnung wo wir hinfahren und fragen den Fahrer nach dem nächsten „Supermercardo“. Er versteht Mercardo und wir werden am Markt rausgelassen. Erst sind wir ein bisschen überfordert. Spanisch ist nicht so richtig unsere Stärke, alles ist quirlig und chaotisch. Es gibt viele Läden, aber wir haben keine Ahnung wo es was gibt. Es gibt auch keine richtigen Schilder an den Läden. Auf einem Platz stehen viele Marktstände, drum herum Häuser. Es ist etwas schmuddelig, Matsch und Matschpfützen, dazwischen halbfertige Betonhäuser. Dicke Frauen sitzen am Straßenrand und verkaufen Saft aus großen Plastikeimern. An einer Stelle sehen wir fünf Frauen, die komplett gleich aussehen. Sie sitzen direkt nebeneinander hinter riesigen Plastikeimern auf Schemeln und verkaufen den gleichen Saft von der gleichen, undefinierbaren, Frucht. Wir probieren einen Saft aus schwarzem Mais, der sehr lecker ist. Menschen fahren auf Motos herum. Viele Taxi-Tuk-Tuks hupen uns an, fragen, ob wir mitwollen. Außer uns sieht man keine Touristen, aber man fühlt sich null unsicher. Wir werden weder komisch angeschaut, noch angebettelt, noch in irgendeiner Form belästigt.
Gefällt mir sehr gut. Wir kaufen alles an einzelnen Ständen. Nudeln, Gemüse, Wasser, Cola, Fleisch Muddi: Ungekühlt, überall Fliegen, dreckiger Tisch, dreckige, Finger des Verkäufers natürlich ohne Handschuhe und Pisco, den Nationalschnaps von Peru. Das Fleisch braten wir abends besonders gut durch. Von dem Fleisch ist auch niemand krank geworden! Mit unserem bisschen Spanisch kommen wir an alles, was wir brauchen. Dann nehmen wir das richtige Collectivo zurück. Voller Erfolg!

Motos..

Häuser, Schirme, vielleicht was zu kaufen...

Noch ein bisschen mehr. Aus dem fahrenden Collectivo, daher nicht so gut.
Wir haben nur einige Tage in Puerto Maldonado bevor wir nach Cusco fliegen. So buchen wir direkt für den nächsten Tag eine Tour in den Dschungel um den Fluss Tambopata. Nach dem Frühstück bringt uns ein Taxi zum Hafen der Stadt. Hier stehen viele Wassertaxis rum. Alle sehen gleich aus, als gäbe es nur einen Bauplan hier für Boote. Sie sind aus Holz, vielleicht 1,5m Breit und so 10m lang und zum größten Teil überdacht. Am Heck haben sie einen Motor mit einer langen Achse zur Schraube, die anscheinend auch zum Lenken genutzt wird. So fahren wir mit dem Boot eine gute Stunde Flussabwärts über den Milchkaffee-braunen Fluss, vorbei am matschigen Ufer, grünen Bäumen, vereinzelten Häusern und Hausbooten und halten schließlich an unserer Lodge.

Flussufer.

Fischer in einem Boot.

So sahen die Boote alle aus. Mal überdacht, mal nicht.

Unser Boot. Und der Tambopata.
Es geht direkt in den Regenwald. Gummistiefel an, dann mit dem Boot noch einmal 10 Minuten zurück Flussaufwärts. Wir steigen aus, laufen eine Weile und kommen zu einem Checkpoint, an dem wir auch unsere Pässe stempeln dürfen. Ich hab meinen natürlich nicht dabei. Dann geht es über ein ausgetrocknetes Flussbett in den Dschungel. Der Guide erzählt uns von Palmen, die mit ihren Wurzeln Inseln am Ufer bauen und so einen Fluss oder See austrocknen oder verschieben können Muddi: Das klingt so, als hätte Niko keine Ahnung wovon er redet, hat wahrscheinlich wie immer nicht zugehört. Die Palmen lassen Wurzeln wachsen, aus denen kleine Inseln entstehen, die so zunächst ein Teil des Flusses abgrenzen und in einen See verwandeln und später den See ganz verdrängen. Dauert aber laaaaange. 

Außerdem von den einheimischen Lebewesen, zu denen Anakondas, Taranteln, Piranhas und Kaimane zählen, zeigt uns gewaltige Spinnennetze, gigantische Bäume und viele Echsenarten. Eine davon hatte ihre Farbe angepasst und war zur Hälfte grün wie der Busch, zur hälfte braun, wie der Weg. Es ist überall grün. Palmen, gigantische Farne, Lianen. Man sieht bunte Farbtupfer, wenn man genauer hinschaut. Mal ein Vogel, mal eine Blume, mal denkt man es ist eine Blume und dann bewegt es sich. Jessi: Und nicht zu vergessen, den wunderschönen blauen, großen Schmetterling, welcher uns durch den Urwald gefolgt ist. Entweder das oder es gab sehr viele davon…auf jeden Fall war er beeindruckend!
So laufen wir auf dem Weg durch den Dschungel, Mücken stechen trotz Mückenspray, der Boden ist trocken, trotzdem gibt es überall riesige, tiefe Pfützen. Jessi: Kennengelernt!
Irgendwann kommen wir am „Hafen“ an. Es sind zwei Stege und die Boote liegen chaotisch im Wasser verteilt. Es sind die gleichen Boote, die auch auf dem Fluss genutzt werden, nur ohne Dach und Motor. Der Guide wählt eins aus, wir steigen ein und paddeln über einen kleinen Bachlauf durch den Urwald. Über uns schließen sich die Bäume zu einem Dach und die Urwaldgeräusche und das sanfte Paddeln sind die einzigen Geräusche. Auch hier hat das Wasser die gleiche Milchkaffeefarbe wie der Hauptfluss. Nach einigen Minuten lichtet sich der Wald und wir landen auf einem riesigen See, mitten im Urwald. Er ist umgeben von hohen, grünen Bäumen. Kein richtiges Ufer in Sicht.
So paddeln wir durch die brennende Sonne. Es ist heiß und ein wenig anstrengend. Immer wieder sehen wir Tiere. Den "Snakebird", einen Vogel, der seinen Körper komplett unter Wasser versteckt um wie eine Schlange auszusehen, den "Stinkbird", einen seltenen Vogel, der aussieht wie ein Huhn und hier so gar nicht selten vorkommt (und stinkendes Fleisch hat, um sich vor Fleischfressern zu schützen), Schildkröten, Kaimane und Kapuzineräffchen, die unermüdlich in einem Baum herumspringen. Ein Snakebird steht am Ufer mit einem Piranha im Schnabel, von denen es im See wohl nur so wimmelt. Man kann übrigens seine Hand ins Wasser halten, ohne, dass sie angeknabbert wird. Jessi: Tested by Muddi!

Links und rechts grün, in der Mitte der Weg.

Riesenbaum mit lustigen Wurzeln.

Der "Hafen".

Der See.

Der Test.

Kapuzineräffchen.
Wir können an mehreren Stellen aussteigen. An der Ersten gibt es Mittagessen (Korianderreis mit Hühnchen im Bananenblatt gegart) aus Lunchtüten, das wir aber kaum anrühren können, da unser Guide ein Bieberpärchen Muddi: OTTER, und es waren vier. entdeckt, und uns alle sofort zurück aufs Boot jagt. Sie sind aber natürlich sofort verschwunden. Und zu meiner Verteidigung, ich war felsenfest überzeugt, dass es Bieber waren und ich habe nur zwei gesehen.

An einer anderen Stelle erwartet uns ein einsamer Hund, der zur Begrüßung freudig bellt und herzzerreißend bei unserer Abfahrt heult. Wir paddeln weiter durch die brennende Sonne, bis es plötzlich zu Regnen anfängt. Und zwar richtig. Wir sind alle komplett durchgenässt, flüchten ans Ufer und suchen in einem Unterstand Schutz. Zehn Minuten später ist alles vorbei und die Sonne brennt wieder. Verrückt! Jessi: Verrück ist, wer keine Regenjacke mit dabei hat.
Abends gibt es noch eine Nachttour auf einem Boot und eine Nachttour zu Fuß. Wir sehen Kaimane, Wasserschweine (witzige Tiere, die aussehen wie gigantische Meerschweinchen), Taranteln und sogar ein Gürteltier. Dann geht es ins Bett.
Am nächsten Tag lernen wir unsere Mitbewohner in der Lodge kennen, einen Ara und zwei Äffchen, die sich hervorragend mit den Mädels verstehen und sogar nach ein paar Minuten bei ihnen in der Hängematte kuscheln. Muddi: Die waren so süß!! Jessi: Jaaaaa, kann ich nur zustimmen!! Kaum zu glauben, wie vertrauensvoll sie sind.

Noch einmal der Tambopata.

Die beiden Äffchen.

Muddi und ihr Kuscheläffchen.
Wir fahren noch mit einer im Urwald gespannten Zipline, gehen über eine Hängebrücke und paddeln und schwimmen im kaiman- und piranhaverseuchten Tambopata. Auch hier passiert nichts. Dann geht es müde zurück nach Puerto Maldonado und wir verbringen noch eine Nacht in dem gleichen Hostel wie vorher, spielen mit dem fiesen Hausara und baden im leeren Pool. Dann fliegen wir nach Cusco.

Wer braucht schon Wasser im Pool?
 Fortsetzung folgt...


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen