Montag, 13. August 2012

NYC, Sacramento, GRK, Placerville


New York City. Ich bin etwas aufgeregt, als ich aus den Flugzeug steige. Diesmal habe ich niemanden, der mich abholt, ich bin ganz alleine hier. Die Aufregung verfliegt ziemlich zügig, da ich erst einmal knappe zwei Stunden in der Reihe stehe und darauf warte, dass mir die überaus unfreundlichen Grenzschutzbeamten Zutritt zu den USA gewähren. Dank meiner ESTA-Registrierung musste ich anscheinend das grüne Einreiseformular nicht ausfüllen, was ein theatralisches Zurschaustellen meines Unwissens über die Einreisebestimmungen zur Folge hat. Sie nehmen alle Fingerabdrücke (von allen Einreisenden), machen ein Foto, befragen mich, was ich in Amerika zu tun gedenke und woher ich meine Freunde hier kenne; alles um sicher zu stellen, dass ich kein Terrorist - oder schlimmer illegaler Einwanderer - bin. Übrigens gab es in Johannesburg nach dem Sicherheitscheck noch einen Zweiten. Da wurden dann ich und das Handgepäck noch einmal von Hand untersucht.
Doch nach dem ich durch den Customs-Bereich durch bin wird alles besser. Durch kostenloses WLan finde ich den schnellsten Weg in die Stadt und auch wo mein Hostel genau ist (Ich wäre wohl nicht ich, wenn ich mir das vorher mal angeschaut hätte), fahre los und bin gute zwei Stunden später da. Kurzes Nickerchen später (Der Flug war nachts und trotzdem ich ganz gut geschlafen hab, habe ich einen ziemlichen Jetlag) kaufe ich mir ein Subwayticket und fahre ein bisschen mit Bussen und Ubahn herum. 42nd Street, Times Square, esse einen Hotdog für 9$, Chrysler Building, Best Buy (Amerikanisches Mediamarkt Pendant) um ein Handy zu kaufen, ein Rapper dreht mir seine CD an (Ich war kaum in der Lage zu antworten), danach Brooklyn Bridge, Manhattan Bridge, ein bisschen Brooklyn. Um 6 mache ich mich auf den Rückweg, kaufe mir etwas zu essen, um 8 kann ich meine Augen nicht mehr offen halten, ich schlafe bis um 9 Uhr am nächsten Tag durch.
Brooklyn. Im Hintergrund ist Manhattan Bridge.
Ich hole mir ein Frühstück in der Bäckerei, die zum Hostel gehört, und trage mich spontan auf eine Tour durch den Central Park ein. Weil mir mittlerweile wieder nach Reden ist, lerne ich dabei ein paar Leute kennen, mit denen ich den Tag verbringen werde. Der Guide ist ein 70 jähriger New Yorker, dessen Geschichten zwar sehr spannend, Erzählweise aber einschläfernd ist. Nach einer kurzen Pause (Nach 3,5h!) in einem Restaurant verlasse ich die Tour. Es ist ja schon wieder mein letzter Tag hier und ich will unbedingt noch die Freiheitsstatue sehen. Ich mache mich auf den Weg zur Staten Island Ferry. Diese kostenlose Fähre bringt einen nach Staten Island und sehr nahe an besagte Statue. Schöne Sache. Danach wandere ich durch Manhattan, an der Wallstreet und Ground Zero vorbei um danach mit der Ubahn zum Hostel zurück zu fahren. 

Manhattan von der Staten Island Ferry aus
Dort treffe ich die anderen wieder und wir haben einen schönen BBQ Abend im Hostel gefolgt von reichlich Bier und Trinkspielen mit zwei Brasilianern und einem Australier. Wir entscheiden uns in eine Bar zu gehen, aber da einige von uns keinen Ausweis dabei haben, müssen wir zurück ins Hostel. (Trinken unter 21 ist eine große Sache hier, ohne Ausweis kommt niemand in eine Bar.)
Als wir schon alle auf dem Sprung ins Bett sind, läd uns nach einer Partie Pool spontan eine andere Gruppe zu einer Dormparty ein. Das Dorm verdient seinen Namen allerdings nicht im Geringsten. Es ist ein kleines Penthouse auf dem Hostel mit Ausblick, Küche und Terrasse. Mit Bier aus dem 24h Bottlestore gegenüber ist es ein netter Ausklang für meine viel zu kurze NYC-Erfahrung. Ich komme definitiv wieder. Um halb 3 a.m. bringt mich mein Shuttle nach Newark zu meinem Flug nach Sacramento.

Sacramento. Ich steige völlig übermüdet aus meinem Flugzeug. Der Zwischenstopp in Denver war extrem anstrengend. Nach 3h Flug musste ich hier zwei Stunden rumsitzen. Der Anschlussflug ist in einem kleinen Jet, der das Schlafen unmöglich macht. Aber jetzt Californien. Blauer Himmel, 40°C (105°F), klimatisiertes Flughafengebäude.
Ich habe noch keine Ahnung was mich hier erwartet. Als ich vor zehn Jahren hier war, war ich ein anstrengender Teenager und ich hatte bis vor kurzem kaum Kontakt zu der Familie hier, abgesehen von Traute, der besten Freundin meiner Oma aus Kindertagen, die mittlerweile 81 Jahre alt ist. Sie meinte, sie kümmert sich um das Abholen und die ersten Tage hier vor Ort. Ich werde von Dylan abgeholt. Dylan war 10 Jahre alt, als ich ihn kennengelernt hab. Jetzt ist er 20, fährt einen brandneuen Honda Civic und erzählt mir über die letzten Jahre. Ich kann es kaum glauben, als er mich in seinem Haus abliefert. Es ist unglaublich groß, dunkel und durch eine riesige Klimaanlage runtergekühlt. Er zeigt mir mein „Zimmer“. Es ist ein Gästezimmer mit riesigem Fernseher, Pooltisch, Balkon und Bar. Ich verbringe den Tag im Pool und zum Abendessen gibt es unglaublich gutes Flanksteak. Um 8 Uhr schlafe ich vor dem laufenden Fernseher ein. Sehr amerikanisch!
Am nächsten Tag wache ich wieder früh auf, gehe eine Runde laufen und um 16 Uhr werde ich abgeholt. Es geht nach GRK um Trautes Schwester Heides 80. Geburtstag zu feiern.

GRK.
GRK ist ein Akronym aus Grether, Rico und Kingsbury. Diese befreundeten Familien haben in den 70ern ein Grundstück in den El Dorado Hills gekauft. Im Laufe der Jahre haben sie drei Hütten (Cabins) gebaut und immer weiter erweitert. Heute ist das ganze ein riesiger Spielplatz für alle Familienmitglieder. Schwere Geräte, automatische Gewehre, Gitarren und ein gigantisches Lagerfeuer. Ich kenne den Ort von vor 10 Jahren, meine Großeltern, mein Vater und auch mein Bruder haben hier Urlaub gemacht und gearbeitet. Die beiden Brüder Seb und Toby haben damals mit meinem Bruder gearbeitet. Sie sind mittlerweile 27 und 31. Vor allem mit den beiden und Toby's Hund P.B.G. (Abkürzung für Puppy be Grubbin') verbringe ich ein paar schöne Tage mit Quadfahren, Sightseeing (Felsformationen und Hügel sind auch Sights), Shotgun schießen, Grillen, Klippenspringen, schwimmen im Bergsee und Bier trinken.

Am Bergsee bekommt PBG seine ersten Schwimmstunden, flieht dann aber angewidert und zitternd, rückwärts aus dem kalten Wasser. Als wir am Strand liegen hören und später sehen wir einen Helikopter seine Runden drehen. An einem langen Seil hängt wie ein kleiner Spielzeugeimer ein großer Wassertank. Als wir die Rauchwolke am Horizont sehen, dämmert es den beiden ziemlich schnell. Ein Waldbrand, der sich ziemlich in der Nähe von den Cabins befindet. Als wir zurück fahren bestätigt sich der Verdacht. Grade einmal 2-3 Meilen nördlich der Cabins brennt der Wald. 10m hohe Bäume gehen wie Streichhölzer in Flammen auf. Die entspannte Stimmung ist plötzlich verflogen. Schnell werden Aufgaben verteilt, Leute auf Hügel geschickt zum Ausschau halten, die Sprinkleranlage wird getestet,  die Wege um die Cabins durchnässt. Und gehofft, dass die Feuerwehr ihren Job gut macht.

Sieht fast schön aus: Waldbrand bei GRK
Interessant ist, dass man bei drohenden Katastrophen drei sehr gegensätzliche Verhaltensmuster bei den beteiligten Menschen feststellt. Es gibt diejenigen, die Drama wollen, den buchstäblichen Teufel an die Wand malen und in den schönsten Farben ausmalen. Es gibt diejenigen, die alles herunterspielen und sich über den Rest lustig machen. Und es gibt diejenigen, die versuchen Rational zu bleiben und alle anderen mit ihren Abwägungen in den Wahnsinn treiben. Ich beobachte derweil das Feuer, sehe die mittlerweile zwei Hubschrauber ihre Ladungen abwerfen und beobachte das Flugzeug der Mission Control, dass stundenlang über dem Feuer kreist. Ein bisschen packt mich die Panik. Es ist schon furchteinflößend. Aber für die Leute hier geht es um ein Generationenwerk. Dies ist das zweite Mal in der Geschichte, dass der Ort wirklich in Gefahr ist.

Aber es passiert nichts. Die Firefighter bringen Bodentruppen zum Einsatz und nach 10 langen Stunden ist das Feuer im Griff. Doch es raucht noch zwei Tage lang. Wir können beruhigt Heides 80. feiern.
Die Feier ist schön. Viele Leute erinnern sich an mich. Der Bruder meiner Gastmutter weiß, „You were a Pain in the A**-Kid“, freut sich aber gleichzeitig, dass ich erwachsen geworden bin und wir quatschen lange. Ich habe eine schöne Zeit, wir essen, trinken Bier, spielen Horseshoes, ich schubse Kinder auf der Schaukel ("Nick, Push me!!" "No push ME") und ich kriege endlich raus, wie die Zeit in Cali nach GRK weiter ablaufen soll. (Hätte ich das vielleicht schon vorher planen sollen?)
Ich fahre mit Royce, dem Bruder meines damaligen Gastbruders, am Montag Richtung Sacramento zurück und komme ich in das Haus, wo ich vor 10 Jahren untergebracht war. Es hat sich kaum verändert. Wir machen Burger, später geh ich laufen und in den Pool.
In den nächsten Tagen mache ich nicht viel. Es tut gut, die Füße hochzulegen, ein bisschen braun zu werden und das Internet nach Jobangeboten in Kanada durchzusehen. Ein paar Tage später geht es nach Placerville zu Traute. Hier besuche ich unter anderem Lake Tahoe.

South Tahoe und am Horizont Lake Tahoe
Placerville/El Dorado County. Lake Tahoe ist ein bisschen wie die eine Folge bei den Simpsons, wo sie an den See fahren (Und Homer Haussklave von Kim Basinger wird). Es ist voll. Die Zufahrtsstraßen sind voll, die Parkplätze sind voll und man schiebt sich Auto an Auto langsam vorran. (Okay, zugegeben, es ist auch ziemlich bescheuert in den Sommerferien an einem Samstag dorthin zu fahren). Gut, dass Traute, die zwar noch extrem fit ist, einen schönen blauen Behindertenausweis fürs Auto hat. So können wir auf den unheimlich teuren Parkplätzen (5-15$) wenigstens bequem parken.
An den Ufern sind unglaublich viele Boote, auf denen Leute stehen, Musikanlagen sind aufgedreht, die Kinder gehen Schwimmen und schreien, die Erwachsenen trinken kaltes Bier, dass sie in riesigen Kühlboxen lagern (Irgendjemand verdient hier einen Haufen Geld damit!). Alle direkt nebeneinander. Es ist irgendwie bizarr. Wir besichtigen Vikingsholm, das Lusthaus einer Kaufmannswitwe aus den 1920ern. Das Problem mit amerikanischer Geschichte: Es wirkt wie ein Besuch bei der Uroma. Es ist zwar alles alt, aber es kommt einem bekannt vor. Und 1920 ist nicht einmal hundert Jahre her. Trotzdem wird alle halbe Stunde eine voll ausgebuchte Führung durch das Haus geführt, der Fremdenführer erzählt hochmotiviert, wie das Haus gebaut wurde und der Staat Kalifornien es dann gekauft hat. Die Dame hatte ein Faible für skandinavische Architektur. Das Haus ist ein im skandinavischen Stil, möbliert von Frank Lloyd Wright, auch im skandinavischen Stil. Amerikanische Geschichte also.
Coloma, die Goldgräberstadt in der Nähe von Placerville, ist dann doch ein bisschen spannender. Es ist ein Park aus Hütten, Gerätschaften und Infotafeln über die Goldgräberzeit. Ein bisschen fühle ich mich an Fort Fun (oder auch Disney Land) erinnert. Spannende Sache!

Meine ersten Eindrücke von den USA: Sie LIEBEN ihr Land (Inkl. extatischem Jubeln während der Olympiade), Politik ist ein furchtbares Gesprächsthema (Vor allem, für mich als nicht Konservativer), Autos sind unglaublich wichtig (Ohne kommt man hier nicht vorran), es fahren viele viele 4x4-Trucks (Pickups etc.) umher, Benzin ist billig, Essen ist billig, gutes Essen ist megateuer. Man wird tatsächlich bescheuerte Fragen gefragt (Do you guys know Elvis?) Und in Sacramento kann man bis 22:30 auf einem beleuchteten Platz Beachvolleyball spielen. Friggin amazing!



3 Kommentare:

  1. Ist dir aufgefallen, dass in den Nachrichten immer zuallererst über die Benzinpreise berichtet wird? Egal was sonst noch irgendwo passiert ist!

    Kommst du auf diesem Trip nochmal nach NYC? Ich kann dir ein paar Tipps und Kontakte geben. Ich kenn die Stadt doch mittlerweile ganz gut.

    Beste Grüße!

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  2. Christopher TIll13. August 2012 um 12:44

    tolle Sache, schöne Texte! alles Gute weiterhin!

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  3. Ich freu mich so, dass es Dir gut geht! Lass die konservativen reden... solange du nicht so wirst!

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