Donnerstag, 30. August 2012

California, Baby.

Bitte entschuldigt, dass dieser Text so lang geworden ist. Lest ihn einfach in zwei Teilen, ich hatte zwischendurch keine Zeit zum Posten. Bilder gibt es wie gewohnt bei Facebook. Enjoy!

Sacramento. Als ich heute Morgen aufwache, ist es schon 1 Uhr Nachmittags. Ich weiß auch nicht, irgendwie hab ich grad das Bedürfnis lang und fest zu schlafen. Ich gehe aus „meinem“ offenen Zimmer im Poolhaus der Familie (Eigentlich eine Art Hobbyraum mit Billardtisch, Bar, Fernseher und X-Box) die Wendeltreppe runter und setze mich an den 5m langen Tresen der amerikanischen Küche. Es ist ein unglaublich schönes, sehr großzügig gebautes, Haus. Es gibt einen Pool, jede Menge Gitarren und die beiden Söhne der Familie sind nur ein bisschen jünger als ich. Ich habe schon großes Glück, dass ich hier mit freier Kost und Logis wohnen darf. Es gibt Kaffee und Rühreier zum Frühstück. Keine Chance dem zu entkommen und sich selbst Frühstück machen. Sehr klare Rollenverhältnisse hier. Der Mann  arbeitet, die Frau kümmert sich um alles. Gäste, Kinder, Hund, Haushalt. Es wird Romney gewählt. Heute Nachmittag werde ich mit den Söhnen in den Film „Obama’s America“ gefahren. Ich erlaube mir hier kein Urteil, aber dass der Macher des Films einen zweifelhaften Ruf hat, weiß ich durchaus. Überhaupt schlucke ich meine politische Meinung in Amerika lieber runter. Meine liberale Einstellung passt so gar nicht hier her. Wer weiß, wie meine Meinung wäre, wäre ich in Amerika aufgewachsen.

Amerikanischer Nahverkehr 1. Von Placerville hat mich Traute nach Sacramento Downtown gefahren. Über den schnelleren Highway. Nicht so schön und kurvig, wie die Hinfahrt durch El Dorado County, dafür sind wir nach einer knappen Stunde da. Am Bahnhof angekommen kaufe ich schnell ein Ticket. Geht nicht ohne Kreditkarte. Was ich hier an Gebühren für Kreditkartenzahlungen ausgebe ist unbeschreiblich nervig. Aber so ist das System. Der nächste Zug fährt zwei Stunden später, also nutze ich die Zeit um mir Sacramento Downtown und Old Town anzusehen. Im Prinzip sehe ich eine Mall in Downtown. Es ist ein bisschen „sketchy“ (mein neues Lieblingswort). Viele Arbeitslose, sehr viele Latinos, sitzen rum und betteln, viele Leute stehen herum und sehen aus, als wüssten sie nichts mit sich anzufangen. Old Town ist ganz schön. Es sieht aus wie die restaurierte Version von den Städten in Spaghettiwestern. Schön aufgearbeitet und bunt. Die Autos stören die Idylle ein wenig. In den Shops gibt es nur Touristennap und teures Essen zu kaufen.

Sacramento Old Town und schönes Wetter.
Der Zug ist klasse. Amtrak bietet klimatisierte Züge, W-Lan an Bord und sehr viel Platz für lange (oder dicke) Beine. Komischerweise gibt es keine direkte Verbindung nach San Francisco. So muss ich nach 1,5h in Richmond, Ca in den Bay Area Rapid Transit (Kurz Bart) umsteigen. Der bringt mich einmal quer durch San Francisco in die südliche Bay Area, wo ich abgeholt werde und weiter nach Half Moon Bay fahre.

Half Moon Bay. Es ist wunderschön hier. Der Nebel nervt ein wenig, aber der ist in der Bay Area allgegenwärtig. Hier treffe ich mich mit Monica und ihrem Mann wieder. Monica hatte mich in GRK nach Half Moon Bay eingeladen. Ich esse die besten Fish and Chips meines Lebens und erkunde die Gegend. Es ist ein bisschen hippiemäßig hier. Kaum Kettenrestaurants, die Sticker auf den Autos sind liberaler, viele kleine Läden mit handgenähten Klamotten. Und es ist ziemlich kühl, was mir sehr entgegenkommt. Die 45° in Placerville haben mir sehr zu schaffen gemacht. Es hat immer um die 10-20°C und das gerade 100 Meilen westlich von Sacramento mit seinen 35-45°C.
Monica fährt mit mir in die California Academy of Science, wofür die beiden einen Jahrespass haben, auf dem sie Leute kostenlos mitnehmen können. Sie ist mitten im Golden Gate Park in San Francisco selbst, vis-a-vis zum De Young Museum. Im Prinzip ist es ein Naturkundemuseum mit interaktiven Teilen. Im Regenwald-Teil, geht man unter einer 20m hohen Glocke eine Spirale rauf. Unterhalb der Spirale ist ein Teich mit Fischen, es wachsen Bäume mit Lianen in der Mitte und tausende Schmetterlinge und Vögel fliegen um einen herum und nutzen einen auch gerne als Taxi. Daneben gibt es Chamäleons und andere tropische Lebewesen. Danach geht es mit dem Aufzug unter den Teich und man ist im Aquarium. Mein persönliches Highlight war der Albino-Alligator.

Kein Modell. Lebendig.


Im De Young Museum ist eine Ausstellung über Jean Paul Gaultier und Monica läd mich spontan auch dazu ein. Mode ist jetzt nicht so ganz meins, aber der Typ ist witzig. Die Ausstellung bietet viele Kleider. Und Puppen, auf deren Köpfe mit Projektoren Gesichter projeziert werden. Diese bewegen sich sporadisch oder fangen plötzlich an zu sprechen. Dann schlafen sie wieder ein. Er hat übrigens unter anderem die Kostüme zu „Das 5. Element“ entworfen. Ich dachte schon immer, die sehen extrem komisch aus…

San Francisco. Nach ein paar Nächten in Half Moon Bay verabschiede ich mich von den beiden (und ihren übercoolen Hunden, von denen man keine Fotos machen kann. Die Geräusche der Kamera lassen beide davonlaufen.) und fahre nach San Francisco. Hier schlafe ich auf verschiedenen Fußböden, habe aber auch keine Lust Geld für ein Hostel zu bezahlen. Ich treffe Jan aus GRK wieder sowie Sandra und Christin, mit denen ich in einer Firma in Berlin zusammengearbeitet habe. Am ersten Abend gehen wir zu viert mexikanisch essen („What is typical Californian food?“ – „Mexican“) und später gehe ich mit Jan in eine Piratenbar. Hier gibt es vor allem Drinks auf Rumbasis. Sehr schöner Laden, ein bisschen versteckt, aber zentral. Zu trinken gibt es unter anderem Buttered Rum. Wieder Name sagt ist das Rum mit Butter. Klingt richtig eklig, ist sehr lecker. Macht auch ein bisschen satt!

San Francisco ist sehr entspannt. Ein bisschen kalt vielleicht auf Dauer. Als ich mit Sandra eine Fahrradtour mache, merken wir auch, dass die Stadt ziemlich hügelig ist. Ich starte südlich des Golden Gate Parks bei Jans Wohnung, auf Jans Fahrrad. Auf der Karte sieht es  recht kurz aus. Wir treffen uns an der Nord-Ost-Spitze des Parks. Meine Strecke dahin würde ich spontan auf 10km schätzen. Wir entscheiden uns nach Norden zu fahren. Bergab, bergauf, bergab… Einmal extrem steil bergauf. Dann fahren wir durch Presidio Richtung Golden Gate Bridge. Zwei Meilen davor, mitten im Nichts, ist mein Hinterreifen komplett platt. Ich kann nicht mehr weiter fahren. Ein netter Fahrradfahrer hält für uns an, aber seine Pumpe passt nicht. Die Parkpolizei ist in einem Meeting und kann uns nicht weiterhelfen. Eine Dame kommt mit ihrem Hund vorbei und lässt mich das Fahrrad in ihrem Haus aufpumpen. Lustigerweise kommt ihr Mann aus Berlin. Ich komme 200m weiter. Loch im Reifen. Klasse. Mitten im Nichts. Nach weiteren Versuchen (Fahrradverleih, Fahrradshops) beschließen wir zu schieben. Wir laufen zur Golden Gate Bridge. Zumindest nehmen wir an, dass sie es war.

Golden Gate Bridge am Tag der Fahrradtour. Übrigens war es hinter mir sonnig und blauer Himmel.

Golden Gate Bridge zwei Tage später. Darum heißt es Golden Gate.

Mit dem Bus geht es in die südöstlich der Brücke gelegene Touristengegend Fisherman’s Wharf um bei In-and-Out Burger zu essen und im Anschluss bei der Cold Stone Creamery Eis zu essen. Ich würde jetzt grob auf 1000-1500 Kalorien für die Mahlzeit schätzen. Aber es war unglaublich lecker.
Ich treffe noch einen weiteren Kollegen von mir von meiner Zeit bei Camp Adventure. Außerdem verpass ich noch zwei weitere Leute knapp. San Francisco ist anscheinend ein echter Hotspot.

Ich verpasse es übrigens ein Foto auf den Cable Cars zu machen. Schande über mich!

Roadtrip nach Las Vegas. Sandra, Christin und ich mieten dann ein Auto und fahren den Highway 1 runter. Eigentlich darf ich mit 24 Jahren das Auto nicht fahren (Oder wir hätten 25$ pro Tag mehr bezahlen müssen), fahre trotzdem am Meisten. Dank Cruise-Control (Tempomat) und Automatikgetriebe ist Autofahren mega-entspannt. An ein paar irre Fahrer, rechts überholen oder die Stoppschilder an jeder Kreuzung innerorts gewöhnt man sich recht schnell. Der Plan ist jedenfalls die 1 runter zu fahren und später am Abend irgendein Motel anzufahren. Soweit so gut. Wir fahren durch Santa Cruz (was so ein bisschen ist, wie ich mir den Ballermann auf Mallorca vorstelle) und essen extrem fettiges Essen auf dem Pier. Ein paar Seehunde und viele viele (auch extrem fette) Menschen mit ihren (extrem fetten) Kindern, sowie ein Vergnügungspark direkt am Wasser machen den Ort zu einer surrealen Erfahrung. Hier wollen wir nicht bleiben.

Weiter geht’s auf der 1 bis nach Carmel. Es ist wunderschön. Ein langer, weißer Strand, Leute führen ihre Hunde spazieren, ein Skimboarder geht seinem Hobby nach und es ist ein bisschen kühler. Es ist schöner hier als in Santa Cruz, aber das Einkommen scheint auch wesentlich höher zu sein. So ist es zum Bleiben leider viel zu teuer. Woran wir das merken? Vielleicht an dem Treffen von Ferrarifahrern in der Stadt. Eine so hohe Dichte an teuren Autos hab ich noch nie gesehen. Viele der Sportwagenmarken habe ich noch nie gesehen. Wir steuern ein Motel am Stadtrand an. No Vacancy (Keine Zimmer frei). Wir fahren weiter die 1 runter. Durch Wälder, an den Klippen entlang und sehen einen schönen Sonnenuntergang.

Carmel
Wir halten bei zwei, drei weiteren Motels, aber nirgendwo haben wir Glück. Wir entscheiden uns bei Einbruch der Dunkelheit auf die 101 (die schnellere Autobahn) zu wechseln, weil wir uns mehr Chancen erhoffen. Manchmal haben die Motels schon an der Autobahn No Vacancy Schilder, die anderen haben sie an der Tür, sobald wir davor stehen. Es ist wie ein Albtraum. Wir fahren an 20-30 Motels ohne Zimmer vorbei. Nicht ein einziges Zimmer. Oder, besser gesagt, wir finden ein Zimmer für 150$ und eins für 350$. Von Deutschland aus lässt Sandra Nummern für Motels recherchieren. Wir bekommen 15 Nummern und bei den fünf, wo tatsächlich wer ans Telefon geht, gibt es keine Zimmer mehr. Wir versuchen es noch bei einigen Kontakten vor Ort, aber um 2 Uhr Nachts erreicht man natürlich niemanden mehr. 500km nach San Francisco, kurz vor LA entscheiden wir uns in Santa Barbara auf einem Parkplatz zu übernachten. Mit Ausblick zum Strand nicht die schlechteste Idee. Aber jeder, der schon mal in einem Auto übernachtet hat, weiß, wie der nächste Morgen ist. Wir wachen schweißgebadet gegen 8 Uhr wieder auf. Es ist warm und belastend, die Sonne knallt auf das Auto und erzeugt trotz offener Fenster eine unerträgliche Hitze.
Doch jetzt wird alles besser. Wir finden auf Anhieb ein nettes, günstiges Café mit W-Lan, gutem Frühstück und gutem Kaffee. Wir buchen sowohl ein Motel für Ventura abends, sowie ein Hotel in Las Vegas am kommenden Wochenende. So etwas wollen wir nicht noch mal erleben. Ein paar Stunden bleiben wir noch in Santa Barbara. Hier ist es wunderschön, der Strand ist lang und die Sorgen von gestern sind vergessen. Die Ölplattformen am Horizont stören nur ein wenig. Der Tag am Strand ist klasse. Abends fahre ich mit Sonnenbrand die paar Kilometer weiter nach Ventura ins Motel 6. Ein einfaches, günstiges Motel für 60$ pro Zimmer (Geteilt durch drei ist das ein sehr annehmbarer Preis). Später am Abend fahren wir ins nahegelegene Camarillo auf die Farm von Stephan und Tobias Grether aus GRK und mit ihm, seiner Schwester Sonia und seiner Freundin grillen wir und sind ein bisschen froh, dass wir nicht hier übernachtet haben. Selbst ich habe ein bisschen mit mir zu kämpfen, bevor ich mich aufs Sofa setzen kann. Der Bungalow wird normalerweise für Parties genutzt. Der Kühlschrank ist weiß mit abgegriffenen, braunen Griffen. Es gibt überall irgendeinen Kram zu entdecken, da alles voll gestellt ist. Kleine Figürchen, alte Poster, dazwischen Kram von Tobias und seiner Freundin, die hier leben. Im Hinterzimmer steht eine drei Meter lange Sphinx aus Holz. Tobe ist seit Jahren am Umbauen, aber Ergebnisse kann man noch nicht so richtig sehen. Trotzdem ist der Abend sehr schön. PBG weicht mir nicht von der Seite und wir kriegen Tipps für die weitere Reise.
Nach einer guten Nacht in einem Bett (Meiner ersten Nacht in einem Bett seit vier Nächten), gehen wir mit den dreien noch bei einem lokalen Geheimtipp essen (Ein Restaurant mit Fisch-Tacos – eine Kombination, die ich so nicht kannte, aber extrem gut ist.) und dann fahren wir weiter nach LA. Für LA konnte ich wieder einen Kontakt finden, bei dem wir übernachten können. Wir schlafen in einem Condo (Reihenhaus) im Stadtteil Sherman Oaks. LA gefällt mir nicht besonders gut. Die Stadt ist einfach zu gigantisch, Hollywood ist ganz nett, aber besteht im Prinzip auch nur aus zwei Straßen. Geht man ein paar Schritte, kommt man an typisch amerikanischen Einkaufsmöglichkeiten vorbei. Diese sehen so aus, dass man einen Parkplatz hat, der von Läden umkreist wird. Fußwege bzw. Fußgänger gibt es kaum. Die (laut Christin) berühmte Einkaufsmeile von Beverly Hills 90210 wirkt ein wenig runtergekommen und nun ja. Es ist einfach eine Stadt für Autofahrer. Ansonsten kann ich höchstens die Cheesecake Factory empfehlen, die es jedoch auch in jeder Stadt gibt. Penny von The Big Bang Theory arbeitet auch in einer übrigens. Die Stücke Käsekuchen sind jedoch sehr mächtig. Ich habe meins um 11 zum Frühstück gegessen und brauchte bis zum Abend nichts mehr. Da gab es übrigens ein bisschen Pizza…

 
Nach ein paar Nächten geht es, nach einem Abstecher zum Hollywood-Sign, weiter nach Las Vegas. Es ist eine fünfstündige Autofahrt.
Abends kommen wir an, checken im Hotel ein und gehen auf Entdeckungstour. Es ist eine krasse Sinnesüberreizung. Es blinkt, ist laut, voll mit Menschen. Und es ist unbeschreiblich groß. So riesig hatte ich mir die Stadt nicht vorgestellt. Unser Hotel hat 3500 Betten. Der gegenüberliegende Ceasar’s Palace (In dem Cäsar übrigens nicht richtig gelebt hat) hat knappe 5000 Betten. Insgesamt gibt es am Strip rund 150.000 Betten. Pro Jahr kommen ca. 50 Millionen Touristen. Und in Berlin beschwert man sich über knappe 30 Millionen pro Jahr.

Wir schlafen zu dritt in einem Zimmer für zwei Personen. Dank der Queen-size Betten geht das problemlos und wir sparen noch einmal gutes Geld. Für einen Club bezahlen wir 5$ Eintritt und es gibt es einen kostenlosen Drink, sowie Einblicke ist das Amerikanische Paarungsverhalten. Um 2:00 Uhr gehen wir ins Bett, um um 5:30 Uhr wieder aufzustehen. Ein paar Mal snoozen später (Immer so zehn Minuten), können wir um 6:00 Uhr tatsächlich aufstehen um einen „Abstecher“ zum letzten Punkt unseres Roadtrips zu machen. Grand Canyon Village in Arizona.
Wir teilen uns die Strecke. Ich schlafe auf der Hinfahrt auf der Rückbank. Es sind 5h Fahrt pro Strecke. Wie machen einen kurzen Zwischenstopp am Hooverdamm. Nicht besonders beeindruckend, aber eine amerikanische Sehenswürdigkeit. Die Autobahn-Brücke nebenan fand ich sehr viel krasser. Ein Bungee á la Bloukrans Bridge wäre hier durchaus angebracht!

D
er Aufwand lohnt sich. Am Mather Point stehen wir am größten Canyon der Welt. Der Blick ist unbeschreiblich. Ich habe den drittgrößten Canyon, den Blyde River Canyon in Südafrika, gesehen. Aber der hier ist noch Mal um länger beeindruckender. Er ist so gigantisch, dass auf der einen Seite schlechtes, auf der anderen Seite gutes Wetter ist. Auch hier sind die Fotos nur ein schwacher Trost gegen den eigentlichen Ausblick.

Links dunkel, rechts hell. Grand Canyon.

Abends fahre ich zurück nach Las Vegas. Es war ein langer Tag und ich bin ziemlich müde. Dank weißen Oreos, Starbucks Eiskaffee, einem Apfel und Dream Theater (Die Mädels schlafen) kommen wir trotzdem ganz gut an. Abends machen wir uns schick und gehen feiern. Im „Palms“, abseits des Strips, gibt es die Ghostbar im 58. Stock über den Dächern von Las Vegas. Der Eintritt soll 40$ pro Person kosten. Die Mädels nutzen ihre gottgegebenen Fähigkeiten und bekommen kostenlosen Eintritt von einem Promoter. Wir teilen meinen Anteil durch drei und gehen hoch. Der Türsteher schaut mich mitleidig an und kommentiert „Sometimes it sucks to have a Penis in Vegas“. Auf der Außenterrasse sehen wir den kompletten Strip beleuchtet in der Nacht. Das Luxor sendet seinen Laserstrahl ins All, es blinkt und glitzert überall. Es ist wie in ein Lagerfeuer zu schauen.

Vegas bei Nacht. Luxor (Die Pyramide) ist das Hotel auf der rechten Seite des Strip.

Das Publikum der Bar ist leider nicht so cool. Aufgetakelte Mädels halten nach Drink-Sponsoren Ausschau, reiche, ältere Männer leisten dem gerne Folge. Ich verlasse die Mädels kurz, damit sie kostenlose Drinks für uns besorgen können. Es dauert 5 Minuten. Mein Gott, hoffentlich bin ich nicht so, wenn ich älter bin! Mit den 40$ haben wir noch Eintritt zu einem Club im Erdgeschoss und einem weiteren Club im anderen Turm des Casinos, sogar noch weiter oben als die Bar. Es ist absolut nicht meine Welt, aber der Ausblick entschädigt doch.
Wir fahren später zurück zum Strip und gehen noch ein bisschen Zocken. Ich verliere 5$ und entscheide mich meinen 2c-„Gewinn“ aufzuheben und nie wieder zu spielen.

2 Cent. Wenigstens bin ich nicht mit leeren Händen aus dem Casino raus.

Las Vegas bietet noch, laut Sandra, die vietnamesische Eltern hat, ein ziemlich gutes Vietnamesisches Restaurant (Was in der Tat sehr lecker ist),  Captain Morgan Lime mit Cola und Chipotle (Sehr gutes mexikanisches Fastfood). Sowie jede Menge durchgeknallte Leute, Alkohol und Grenzerfahrungen. Ganz ehrlich, es ist nicht meine Welt. Einmal Vegas im Leben reicht mir. Vollkommen. Ich stehe auf andere Erfahrungen.
Mit dem Flugzeug fliege ich morgens um 7 zurück nach Sacramento.

Amerikanischer Nahverkehr 2.
Ich möchte mich nicht abholen lassen und fahre mit den Öffentlichen. Ich kenne die Adresse und suche mir eine Verbindung per Google Maps (Funktioniert hier übrigens sehr gut) via kostenfreien W-Lan im Flughafen. Der Bus kommt 40 Minuten später. Braucht eine halbe Stunde bis Downtown Sacramento. Von dort nehm ich dreißig Minuten später die Tram einer anderen Gesellschaft bis zu einem Punkt im Nirgendwo. Dort warte ich noch einmal 50 Minuten um den Bus für weitere 30 Minuten zu nehmen. Meine Landung war um 11:30, ich komme ca. 15:30 Uhr an (Es ist nur ein Vorort von Sacramento). Die Dauer erinnert mich an die Strecke von Frankfurt am Main zu meinem Heimatort Frielendorf in Nordhessen, was ähnlich lang bis länger dauern würde, nähme ich nur öffentliche Verkehrsmittel. Nur, dass das hier die Hauptstadt von Kalifornien ist. Zudem ist das Publikum der öffentlichen Verkehrsmittel, nun ja, sketchy. Viele Bettler, viele gucken mich an (ein offensichtlich doch recht wohlhabender Weißer, in diesem Bus?). Ich verstehe, warum hier so viele Leute Auto fahren. Ohne geht es einfach nicht vernünftig.

Jetzt sitze ich wieder dort, wo ich in Amerika angefangen habe. Freitag geht es nach Vancouver. Ich habe Angst vor der Zeit. Ich habe keinen richtigen Plan, keinen Job, keine Wohnung und noch schlimmer, kein Geld mehr. Vermutlich hilft jetzt nur sich einfach mal Fallen zu lassen. Los geht’s.


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