Ich konnte leider noch keine Bilder hochladen. Das Hostel hier erlaubt nur eine halbe Stunde Internet auf einmal. Ich werde einen neuen Post mit den Fotos machen, sobald es geht!
Johannesburg. So
hatte ich mir meinen Geburtstag wohl eher nicht vorgestellt, aber da es so
prima in meinen Zeitplan passt, sitze ich seit 7:30 Uhr im Bazbus Richtung Northern Drakensberg. Magda hat mir kurz vor
Abfahrt noch zum Geburtstag gratuliert und mir eine kleine Flasche ihres
kostbaren Zubrowka überreicht. Da war
ich doch sehr gerührt!
Knapp sechs Stunden werde ich mit
einem bunten Haufen von Rucksäcken und deren Begleitern im Bus verbringen. Es
ist etwas eng, der Bus ist alt, es riecht nach Diesel und Öl, ein Steinschlag
von 10cm prangt auf der Windschutzscheibe. Ich schreibe, höre zum x-ten Mal The Dark Third von Pure Reason Revolution und lasse mir dabei die letzten vier Tage
durch den Kopf gehen. Unglaublich was schon wieder alles passiert ist.
Krüger Park. Nach
einer sehr spaßigen Nacht in Bars und einem Club im Ausgehviertel Greenside mit
Dylan, Magda, Jonathan und Bar (den beiden Israelis) und knappen zwei Stunden
Schlaf werde ich von unserem Fahrer und Guide Sydney in einem Minibus abgeholt.
Sydney ist ein sehr gemütlicher Typ, der offenbar sein Leben (und Essen)
genießt. Es stellt sich später heraus, dass er ein unglaublich gutes Auge für
Tiere hat. Sein Wissen über die Tierwelt ist auch sehr beeindruckend.
Ich entscheide mich für die Rückbank
und nutze die Zeit um ein bisschen Schlaf aufzuholen. Unsere Reisegesellschaft
besteht aus einer 67 jährigen Australierin namens Janice und drei
HongKong-Chinesinnen, die lustigerweise genau in ihr Klischee passen.
Sie reden.
Chinesisch.
Wahnsinnig viel.
Ohne Quatsch, sie reden die GANZE
Fahrt..
Irgendwann blende ich das ganze
einfach als Hintergrundgeräusch aus. Wie das Rauschen von Turbinen in einem
Flugzeug. Die drei arbeiten zusammen für eine chinesische Airline. Wie kann
ihnen der Gesprächsstoff nicht ausgehen?
Pötzlich bleibt der Bus nach zwei
Stunden einfach stehen. Sehr witzige Geschichte, aber ich will nicht zu weit
ausholen. Kurz: Wir schieben den Bus drei Mal an, er fährt kurz und bleibt
wieder stehen. Sydney hält einen Fremden an, lässt mich und die Chinesinnen
einsteigen und zur nächsten Mall bringen. Dort warten wir zwei Stunden. Der
neue Bus braucht ein bisschen länger von Joburg, denn der Fahrer wird von der
Polizei wegen Rasens aufgehalten. Aber es geht alles gut. Es ist doch etwas
relaxter hier als daheim.
Den Rest der Fahrt verbringe ich
entspannt, lese Kafka on the Shore,
höre Musik und gucke aus dem Fenster. Das Leben ist schön!
Wir kommen recht spät an und können
das normale Programm (Eine ca. einstündige Tour durch ein Altenheim für Tiere)
nicht mehr wahrnehmen. Wir kriegen etwas besseres, wir nehmen kostenlos an
einer Nachtfahrt durch den Krügerpark teil. Und Sydney verspricht uns eine
Überraschung für die Rückfahrt. Die Nachtfahrt klingt leider wesentlich besser
als sie ist. Tagsüber sieht man erheblich mehr Tiere, nachts ist es pervers
kalt und seit dem Stopp in der Mall um ca. 10 Uhr gab es nur Rusks zu essen (Sehr
trockene Kuchen, die man in Kaffee tunkt um sie überhaupt essen zu können). Wir
kommen um 23 Uhr zurück, essen schnell noch etwas und dann geht’s in die
Unterkunft. Ich schlafe extrem gut und tief in meinem Zelt auf zwei Matratzen.
Ein Warzenschwein begrüßt mich als
ich um 5:30 aufstehe und eine Giraffe und Janice (Die unglaublich viele
interessante Dinge zu erzählen hat – die letzten zehn Jahre hat sie in Korea
gearbeitet) unterhalten mich beim Kaffeetrinken. Dann geht es los in den Park.
Die Sonne geht gerade auf, links und rechts halten Zäune Tiere fern, die Straße
geht schnurgerade auf den Horizont zu. Für eine halbe Stunde geht es immer Auf
und Ab. In den Tälern ist es unglaublich kalt, auf den Hügeln gut aushaltbar.
Wir passieren den ersten Schlagbaum und sind dann schon im Park. Es folgt noch
ein zweiter Schlagbaum und dann kommen wir zu einer Station namens Orpen. Es
sind ein paar Läden und Unterkünfte umgeben von Elektrozäunen und Stacheldraht.
Es erinnert alles ein bisschen an die letzten sicheren Orte in Zombiefilmen;
wenn das Tor aufgeht, wenn die Guides den Boden unter dem Fahrzeug überprüfen,
ob nicht doch irgendwo ein gefährliches Tier wartet. Neben Raubkatzen gibt es
unter anderem auch jede Menge tödliche Schlangen hier.
| Orpen Station bei Sonnenaufgang |
Wir tanken kurz, Sydney füllt
Formulare aus und ein Elefant guckt uns interessiert zu. Nach der Station Orpen
sind wir endlich „richtig“ im Park. Es gibt hunderte Tiere und es ist
unglaublich beeindruckend. Guckt euch dazu einfach die Bilder an, ich habe eine
kleine Auswahl hochgeladen. Die schöneren Fotos dabei sind übrigens nicht von
mir sondern von zwei Deutschen, die unsere Reisegruppe im Park komplettieren;
Burkhard und Vladi. Sie taufen die Chinesinnen liebevoll „Hühner“, weil sie immer noch nicht aufgehört haben zu gackern. Erst nach einer wütenden
Intervention schafft Sydney sie zumindest ab und zu vom Reden abzuhalten.
Unsere lustige Reisegruppe kommt trotzdem gut miteinander klar.
Die Löwen hören wir zunächst nur
brüllen. Man kann sie dank der guten Tarnung erst nach eine langen Suche mit
dem Fernglas unter einem Baum liegend erkennen. Überhaupt ist Tarnung bei
Tieren etwas, das ich erst im Park verstanden hab. Warum Zebras (und auch z.B.
Kühe) so seltsame Muster haben, warum Nilpferde und Rhinos grau sind. Sie alle
sind schwer zu sehen bzw. auseinander zu halten. Löwen und Leoparden erst
recht. So dauert es sehr lange, bis man überhaupt Tiere erkennt, doch man
bekommt schnell Übung. Einen Leoparden sehen wir leider nicht und so kann ich
nicht von mir behaupten die „Big Five“ gesehen zu haben. Diese haben ihren
Namen von Jägern, die sich bei ihnen auf die fünf am schwersten zu erlegenden
Tiere einigten; Elefant, Rhinozeros, Büffel, Löwe und Leopard. Nach dem Leopard
ist es am schwersten das Rhino zu sehen, da es so extrem selten geworden ist.
Wir sehen nur zwei von weit entfernt. Rhinos werden illegal gejagt, weil
chinesische Quacksalber Potenzpillen aus den Hörnern machen. Widerlich.
Vielleicht sollte man einfach Mal in rauen Mengen Viagra nach China spenden. Es
ist eine Schande, dass ein so mächtiges und schönes Tier von der Erde
verschwindet, weil kleine Männer denken, es
würde sie potenter machen.
| Eins der beiden Rhinos, die wir gesehen haben |
Sydney kocht sehr leckeren
englischen Brunch auf einem Picknickplatz, dann geht es weiter. Wir sehen eine
Hyäne mit ihrem Jungen, riesige Zebraherden, Elefanten und andere Tiere. Dann fahren
wir nur zehn Minuten weiter und sehen plötzlich komplett andere Tiere. Zwei Sträuße waten durch das hohe Gras, duzende
Geier sammeln sich an einer Stelle, Affen kreuzen den Weg. Es ist unglaublich.
Nach einem langen Tag kehren wir in die Lodge zurück, es gibt tolles Essen und
einen Absacker an der Bar. Ich lerne den Barkeeper John und seinen Sohn Luke
aus England kennen.
Am nächsten Morgen geht es schon um
5:00 los. Ich sage Pumba guten Morgen. Hakuna Matata. Warzenschweine sind
irgendwie die sympathischsten Tiere hier, sie sehen immer quietsch vergnügt
aus, wenn sie durch die Gegend hüpfen. Nach einem schnellen Kaffee geht es
wieder in den Park. Es ist genauso beeindruckend wie am Tag zuvor, die Größe
ist erstaunlich (Jonathan sagte mir, der Park sei größer als Israel), wir sehen
40-50 Löwen in 5-6 Rudeln an verschiedenen Stellen, eine Giraffe, die um ihr
gerissenes Junges trauert und einen missglückten Hinterhalt zweier
ausgehungerter Löwinnen. Es gibt Frühstück und später Mittagessen. Sydney
erzählt uns viel über die Tierwelt, über das Leben in Afrika und seine Arbeit.
Er erzählt von dem Wertverlust von Elfenbein, der die Elefanten gerettet hat
und von geheimen Lagerplätzen für Elefantengebeine irgendwo im Krügerpark. Wir
passieren kleine Flüsse, kommen an Krokodilen und Schildkröten vorbei, eine
unglaubliche Vielfalt an Pflanzen, Tieren, Vögeln. Affenbrotbäume, Steppe,
gelbes Gras.
| Tolle Aussicht |
Am nächsten Morgen gibt es Rusks und
wir brechen unser Lager ab. Es geht heim. An einem Stand kaufen wir riesige
Mandarinen und der ganze Bus duftet danach. Sydneys Überraschung ist ein kurzer
Stopp bei den Potholes. Viel besser als alte Tiere in Käfigen! Diese
Felsformation ist in Jahren durch zwei Flüße entstanden, es ist allerdings eher
was zum Genießen als darüber zu schreiben. Danach fahren wir noch am Rand des Blyde River Canyons, dem drittgrößten
Canyon der Welt, vorbei und steigen kurz aus um Bilder zu machen. Der krönende
Abschluss einer wirklich tollen Tour.

Ein sehr schöner und umfassender Bericht, der wirklich Lust auf dieses Land macht ... mach weiter so - es macht Spaß dies zu lesen. Danke!
AntwortenLöschenIch wünsche Dir auch weiterhin viele spannende Abenteuer und tolle Augenblicke! Daniel
Jaaaa, was du schreibst ist wirklich super unterhaltsam und interessant und das beste ist, du trägst auf dem letzten Foto die Pegasus-Schuhe!!! :) War die Woche laufen und hab an dich gedacht während ich mit meinen Pegasus-Schuhen für einen neuen Linda-Rekord trainiert habe.
AntwortenLöschenNiko, LIEB!!! Pass auf dich auf, sonst gibts Ärger! ;)
Liebste Grüße von der kleinen Pegasus-Linda!
so, wir sind wieder daheim... wenn du Lust hast... jetzt könnten wir mal skypen.D,h. nicht jetzt sofort, weil wir noch mal den Urlaub ausklingen lassen wollen. Pass gut auf dich auf!!!!!!!!!!
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