Dienstag, 17. Juli 2012

Drakensberg to Durban

Als ich das hier schreibe, bin ich schon in Port Elizabeth. Da es zu viel ist, fasse ich Coffee Bay mit  Port Elizabeth zusammen, die Fotos von Coffee Bay lade ich allerdings schon alle hoch. Flickr krieg ich nicht gebacken, Fotos gibts erst mal nur auf FB!

Northern Drakensberg.  Auf dem Weg nach Drakensberg fahren wir durch Ebenen voller gelber Grashalme. Es sieht aus, als wäre man in mitten einer riesigen Wüste, in der ab und zu Bäume und Hütten stehen. Es gibt Berge, die aussehen als wäre ihre Spitze abgeschnitten worden und einen unglaublich langen, tiefblauen, künstlichen See, kleine Dörfer aus Wellblechhütten. Die Aussicht ist groß und der Horizont weit. 
Wir durchqueren eine kleine Schlucht und fahren an einer Bergkante entlang, die, dank des guten Wetters, eine phänomenale Aussicht über die weiten Täler bietet. Schließlich kommen wir an, einem von Bergen umrahmten Hostel. Weiter gibt es hier nichts. Ich lerne Marian und Lisa aus Holland kennen, mit denen ich spontan zusammen weiterreise.
Der Hostelbesitzer empfängt uns freudig und stimmt uns alle auf die nächsten Tage ein. Es gibt zwei Supermärkte, einen in 5km, einen in 20km Entfernung, das Abendessen kostet 85R und um das Tal zu entdecken soll man am besten sofort eine Tour buchen. Diese gibt es von 500R bis 2000R. Wifi kostet 40R pro Stunde. Langsam gewöhne ich mich daran, dass Internet hier ein knappes Gut ist.
Nach einem Ausflug zum „Supermarkt“ (5km sind doch weiter als man denkt) machen wir Pfannkuchen und später gibt’s Freidrinks für mich an der Bar. Ich nehme mir einen Tag „frei“ und genieße die Aussicht. Am nächsten Tag geht es weiter nach Durban und damit endlich ans Meer.

Phänomenaler Ausblick vom Garten des Hostels

Durban. Zu unserer kleinen Reisegruppe stoßen noch der Kenianer Elvis und der Texaner J.C. hinzu; Elvis beschließt Samstag mit nach Coffee Bay zu kommen. Es stimmt, man reist eigentlich nie alleine hier.

Durban wird angepriesen als die sonnige Metropole am Meer (320 Tage Sonne im Jahr, immer Badesaison), die dank dem großen indischen Einfluss eine weltoffene Atmosphäre bietet. Soweit so gut. Meine zwei Tage in Durban bieten wenig davon und das Wetter hat vor allem Wolken und Regen auf Lager. Ich geh trotzdem ins Meer, aber nur kurz zum schwimmen. Surfen will ich in Jeffreys Bay in einigen Tagen.
Abgesehen vom Strand ist die Stadt extrem hässlich. Vor allem die Innenstadt ist dreckig, es gibt viele Bettler und die Malls im Zentrum aus der Blüte in den 70er und 80er Jahren sind unglaublich runtergekommen. Die weiße Bevölkerung meidet seit dem Ende der Apartheid die Innenstadt, so wie in vielen Städten hier. Die Kriminalitätsrate ist einfach zu hoch.

Die Begegnungen mit der übriggebliebenen Apartheid setzen sich auch hier fort. Als wir einen Abend entscheiden, feiern zu gehen gehen wir in die hochgepriesene Florida Rd „The Place to be“. Wir sind nicht beeindruckt, wir finden eine Bar und einen Club in dem, was „die Ausgehmeile“ von Durban sein soll. Am Club wird Elvis argwöhnisch betrachtet und man erzählt uns beiden, der Eintritt beträgt 200R. Eine halbe Stunde später versuchen es die Mädels noch mal alleine und sollen plötzlich nur noch 50R bezahlen. Wegen so viel Dreistigkeit treten wir den Heimweg an. Wir machen das, was man eigentlich nicht machen soll. Wir laufen. Knappe 5km durch Durbans Innenstadt. Die Polizei hält uns zwischendurch an, fragt wo unser Auto ist, und ob alles okay ist. Zwei Schwarze können es nicht glauben („4 Whites and 1 Black – this is the way you do it“. Er wiederholt es Drei Mal.)
Thema Sicherheit ist hier überhaupt so eine Sache. Die beiden Mädels wurden am helligten Tag am Strand von Durban überfallen (Festgehalten, Handy und Geld geklaut – eine Sache von Sekunden), während ein privater Sicherheitsmann zu gesehen hat. Der Busfahrer riet uns dazu unsichtbar zu werden („Blend in“), in dem man sich an die Bevölkerung anpasst. Bloß nicht aussehen wie ein Tourist. Wir sind nachts an Minibustaxis vorbei gelaufen, wurden weder behelligt noch angequatscht. Einmal werden ich und J.C. von einem (schwarzen) Einheimischen nach dem Weg gefragt. Ich bin noch nicht überfallen worden, ob ich viel Glück hatte, kann ich nicht sagen. Durban gefällt mir so ganz und gar nicht. Zitat des Tages: "You don't go to South Africa for the Cities".


Durban, Stadt am Meer


Zulu Village. Von Durban aus werde ich mit dem Auto abgeholt. Es geht ins Valley of a thousand Hills. Ich weiß nicht, was ich erwarten soll, als mich der Guide Segrem aufsammelt. Über die Zulu weiß ich so gut wie gar nichts, außer, dass sie eine Minderheit sind, ihre Sprache eine Landessprache ist (Neben weiteren 10) und das sie die Gegend um Durban bewohnten. Neben mir ist noch eine ca. 30 Jährige Frau aus Kalifornien dabei. Nach einer kurzen Fahrt und Einkaufen in einem Township-Supermarkt (Eine Erfahrung für sich), fahren wir durch die nördlichen Townships von Durban. Langsam lichten sich die gedrängten, bunten, Häuser. Zunehmend werden aus den viereckigen Häusern aus Wellblech und Holz bzw. Altmetal die für die Zulu (und auch andere Stämme) runden Häuser. Nach und nach stehen sie nicht mehr so dicht beeinander. Wir sind im Zulu-Land. Segrem redet nicht viel und am Ziel angekommen, lässt er uns mit Jason alleine. 

Jason ist 19, seine übergroße blaue Jacke lässt ihn klein aussehen. Er wirkt aber wesentlich älter. Er trägt eine Zahnspange und ist auf dem Weg die Schule zu beenden. Er spricht gutes Englisch und will Travel und Tourism studieren um in anderen Ländern zu arbeiten. Wir haben einen Anknüpfungspunkt und ich erzähle ihm etwas über Deutschland und das wir auch eine eigene Sprache haben neben Englisch. Deutsch ist ihm dann aber doch zu schwierig!

Er zeigt uns einige Bräuche der Zulu, die anscheinend auch heute noch vollzogen werden. Unter 17 müssen zum Beispiel Mädchen noch Jungfrauen sein. Darum wird mit 17 getestet ob sie noch „a Virginity“ sind. Dieser hochzuverlässige Test gestaltet sich folgendermaßen: Sie werden im Rahmen einer Zeremonie auf den höchsten Berg im Dorf geführt und müssen auf eine spezielle Art und Weise einen Schilfhalm durchbrechen. Gelingt ihnen das beim ersten Mal, sind sie eine Virginity und dürfen danach sich einen Mann suchen. Haben sie den Halm nicht durchgebrochen, kriegen sie ein Stück Land zum siedeln und müssen dem Chief (und Namensgeber) des Dorfes eine Kuh kaufen. This is why the Chief has so many Cows sagt er und lacht.
Jason zeigt, dass er keine Jungfrau mehr ist.
Wir gehen spazieren, über enge Pfade, an Stacheldraht und verschiedenen Häusern vorbei. Die Bauart zeigt den Wohlstand der Bewohner. Angestellte leben in Ziegelhäusern, die armen in Schlammhäusern, die kaum einen Regen überstehen. Wer es sich leisten kann, verstärkt sein Schlammhaus mit Steinen.
Neben einer zerstörten Hütte steht ein Baum, den Jason „Dangerous Tree“ nennt. Seine Blätter sehen aus wie die Green Mamba und die Milch des Baumes zieht jene Schlangen grade so an. Dadurch werden in seiner Nähe viele Leute von der Schlange gebissen. Jason erst ein halbes Jahr vorher. Der Baum bringt viele Leute zum umsiedeln.
Weiter geht es zum Healer, dem Medizinmann des Dorfes. Jason bereitet uns auf den Besuch vor, Frauen müssen links sitzen (Auf einer Matte), Männer rechts auf einer Bank. Er geht vor, verbeugt sich, das ganze wirkt sehr mystisch.
Die Realität sieht dann doch ein wenig anders aus. In der Mitte der runden Hütte sitzt der Healer – eine etwa 70 jährige Frau. Sie spielt auf ihrem Samsung-Telefon herum, Wäsche hängt auf einer Leine, Plastikflaschen mit undefinierbaren Flüssigkeiten stehen in der Ecke. Sie ist freundlich, wirkt etwas gelangweilt. Wir wurden kurz in Zulu unterrichtet und begrüßen sie mit „Sangone Undyani.“ – „*#?*“?!“ - „Ngila Pila.“ („Hallo, wie geht’s? Mir geht’s gut, danke, wie geht es dir? Gut, Danke“). Wir dürfen Jason fragen stellen und er fragt den Healer.
Es ist sehr interessant, Healer wird man durch die Berufung durch die Ahnen während einer schweren Krankheit. Der jüngste Healer im Dorf ist 16. Kommt ein Healer nicht weiter mit einem Kranken, kommt er zu einem anderen Healer. Bei schweren Erkrankungen werden die Leute ins Krankenhaus gebracht. Grade bei Aids/Hiv. Laut Jason gibt es infizierte, aber nicht so viele.
Der weitere Weg durchs Dorf wirkt wie durch eine andere Welt. Grade als Kontrast zu den schicken Malls der reichen Bevölkerung in Durban. Kinder sammeln und verkaufen Holz und Schrott (2R für ein Kilogramm), ein Hund jagt ein Lamm und verteidigt danach sein Revier vor einer Kuh. Es gibt eine Ziegelmanufaktur, die einer der reicheren Familien gehört. 
Jason spielt Fußball, ist aber momentan verletzt, weil er sich keine Fußballschuhe leisten kann.
Später gibt es Mittagessen. Es ist echt lecker, es gibt Pap (Brei aus Maismehl, der hier ein bisschen wie Reis ist) und verschiedene Gemüsesorten, die alle sehr lecker sind. Gegessen wird mit den Händen.

Sehr lecker, auch mit den Händen!
Danach wird ein Flohmarkt für uns zwei aufgebaut. Ca. 10min werden verschiedene Handwerksarbeiten auf einer Decke ausgebreitet. Man bekommt ein echt schlechtes Gewissen, aber ich möchte von dem Plunder (Der offenbar auch aus den ärmeren Nachbarstaaten stammt), nichts kaufen. Lieber gebe ich später ein Trinkgeld. Es gibt noch „traditionelles“ Zulutanzen (Es ist schwer zu sehen, was hier Tradition und was Touristen-Nap ist). Die Mutter der Familie trommelt mit leeren Cola und Sprite Plastikflaschen auf einem Plastikeimer, während die Kinder lachen und tanzen. Es scheint ihnen zumindest Spaß zu machen.
Mit einem seltsamen Gefühl im Bauch treten wir die Rückfahrt an. Segrem erzählt uns noch etwas über die Zulu. Sie haben immernoch einen König, der jedes Jahr eine Jungfrau zur Frau nimmt. Junge Mädchen kommen zu ihm, tanzen für ihn und er darf sich entscheiden. Die meisten Zulu leben unterhalb der Armutsgrenze und bekommen 250R pro Monat an Sozialabgabe. Die Regierungen versorgt sie mit Toiletten und Wasser, es gibt kostenlose Krankenversorgung und mehr oder weniger kostenlose Bildung. 
Wenn man mit den Leuten spricht, merkt man wie tief die Gräben zwischen den Kulturen noch sind und das alle dem Lebensstil der (zumeist weißen) Oberschicht nacheifern. Fernseher und Handys gehören fast zur Standardausstattung in den ärmlichen Hütten. Kein Wunder, dass man als weißer Tourist immer wie ein Millionär gesehen wird, angequatscht und ab und zu auch ausgeraubt wird. Damit muss man hier wohl leben! 



1 Kommentar:

  1. Haha, endlich gelesen! Super interessant und die Passage mit dem Jungfrauentest ist wohl die lustigste überhaupt. :D

    Es ist krass, wie groß der Kontrast zwischen den gesellschaftlichen Schichten ist. Leider lässt sich daran kaum was ändern ... Selbst nach dem Lesen habe ich diesbezüglich ein komisches Gefühl im Bauch. Ich würde sehr gern was an der Situation da ändern, wie überall auf der Welt wo es so aussieht, aber leider ist das nicht möglich.

    Pass bloß auf dich auf und lass dich nicht ausrauben und überfallen!!! Will meinen Niko heil zurück. :)

    Drück dich und liebe Grüße! :*
    Linda

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