Northern Drakensberg. Auf dem Weg nach Drakensberg fahren wir durch Ebenen voller gelber Grashalme. Es sieht aus, als wäre man in mitten einer riesigen Wüste, in der ab und zu Bäume und Hütten stehen. Es gibt Berge, die
aussehen als wäre ihre Spitze abgeschnitten worden und einen unglaublich langen,
tiefblauen, künstlichen See, kleine Dörfer aus Wellblechhütten. Die Aussicht
ist groß und der Horizont weit.
Wir durchqueren eine kleine Schlucht
und fahren an einer Bergkante entlang, die, dank des guten Wetters, eine
phänomenale Aussicht über die weiten Täler bietet. Schließlich kommen wir an,
einem von Bergen umrahmten Hostel. Weiter gibt es hier nichts. Ich lerne Marian und Lisa aus Holland kennen, mit denen ich
spontan zusammen weiterreise.
Der
Hostelbesitzer empfängt uns freudig und stimmt uns alle auf die nächsten Tage
ein. Es gibt zwei Supermärkte, einen in 5km, einen in 20km Entfernung, das
Abendessen kostet 85R und um das Tal zu entdecken soll man am besten sofort
eine Tour buchen. Diese gibt es von 500R bis 2000R. Wifi kostet 40R pro Stunde.
Langsam gewöhne ich mich daran, dass Internet hier ein knappes Gut ist.
Nach einem Ausflug zum „Supermarkt“
(5km sind doch weiter als man denkt) machen wir Pfannkuchen und später gibt’s
Freidrinks für mich an der Bar. Ich nehme mir einen Tag „frei“ und genieße die
Aussicht. Am nächsten Tag geht es weiter nach Durban und damit endlich ans
Meer.
![]() |
| Phänomenaler Ausblick vom Garten des Hostels |
Durban. Zu unserer kleinen
Reisegruppe stoßen noch der Kenianer Elvis und der Texaner J.C. hinzu; Elvis
beschließt Samstag mit nach Coffee Bay zu kommen. Es stimmt, man reist eigentlich nie alleine hier.
Durban wird angepriesen als die
sonnige Metropole am Meer (320 Tage Sonne im Jahr, immer Badesaison), die dank
dem großen indischen Einfluss eine weltoffene Atmosphäre bietet. Soweit so gut.
Meine zwei Tage in Durban bieten wenig davon und das Wetter hat vor allem Wolken und Regen auf Lager. Ich geh trotzdem
ins Meer, aber nur kurz zum schwimmen. Surfen will ich in Jeffreys Bay in
einigen Tagen.
Abgesehen vom Strand ist die Stadt
extrem hässlich. Vor allem die Innenstadt ist dreckig, es gibt viele Bettler
und die Malls im Zentrum aus der Blüte in den 70er und 80er Jahren sind
unglaublich runtergekommen. Die weiße Bevölkerung meidet seit dem Ende der Apartheid die Innenstadt, so wie
in vielen Städten hier. Die Kriminalitätsrate ist einfach zu hoch.
Die Begegnungen mit der übriggebliebenen
Apartheid setzen sich auch hier fort. Als wir einen Abend entscheiden, feiern
zu gehen gehen wir in die hochgepriesene Florida Rd „The Place to be“. Wir sind
nicht beeindruckt, wir finden eine Bar und einen Club in dem, was „die
Ausgehmeile“ von Durban sein soll. Am Club wird Elvis argwöhnisch betrachtet
und man erzählt uns beiden, der Eintritt beträgt 200R. Eine halbe Stunde später
versuchen es die Mädels noch mal alleine und sollen plötzlich nur noch 50R
bezahlen. Wegen so viel Dreistigkeit treten wir den Heimweg an. Wir machen das,
was man eigentlich nicht machen soll. Wir laufen. Knappe 5km durch Durbans
Innenstadt. Die Polizei hält uns zwischendurch an, fragt wo unser Auto ist, und
ob alles okay ist. Zwei Schwarze können es nicht glauben („4 Whites
and 1 Black – this is the way you do it“. Er wiederholt es Drei Mal.)
Thema Sicherheit ist hier überhaupt
so eine Sache. Die beiden Mädels wurden am helligten Tag am Strand von Durban überfallen
(Festgehalten, Handy und Geld geklaut – eine Sache von Sekunden), während ein
privater Sicherheitsmann zu gesehen hat. Der Busfahrer riet uns dazu unsichtbar
zu werden („Blend in“), in dem man sich an die Bevölkerung anpasst. Bloß nicht
aussehen wie ein Tourist. Wir sind nachts an Minibustaxis vorbei gelaufen,
wurden weder behelligt noch angequatscht. Einmal werden ich und J.C. von einem (schwarzen)
Einheimischen nach dem Weg gefragt. Ich bin noch nicht überfallen worden, ob
ich viel Glück hatte, kann ich nicht sagen. Durban gefällt mir so ganz und gar nicht. Zitat des Tages: "You don't go to South Africa for the Cities".
Zulu Village. Von
Durban aus werde ich mit dem Auto abgeholt. Es geht ins Valley of a thousand Hills. Ich weiß nicht, was ich
erwarten soll, als mich der Guide Segrem aufsammelt. Über die Zulu weiß ich
so gut wie gar nichts, außer, dass sie eine Minderheit sind, ihre Sprache
eine Landessprache ist (Neben weiteren 10) und das sie die Gegend um Durban
bewohnten. Neben mir ist noch eine ca. 30 Jährige Frau aus Kalifornien dabei. Nach
einer kurzen Fahrt und Einkaufen in einem Township-Supermarkt (Eine Erfahrung
für sich), fahren wir durch die nördlichen Townships von Durban. Langsam
lichten sich die gedrängten, bunten, Häuser. Zunehmend werden aus den viereckigen Häusern aus Wellblech und Holz bzw. Altmetal die für die Zulu (und auch andere Stämme) runden Häuser. Nach und nach stehen sie nicht mehr so dicht beeinander. Wir sind im Zulu-Land. Segrem redet nicht viel
und am Ziel angekommen, lässt er uns mit Jason alleine.
Jason ist 19, seine übergroße blaue Jacke lässt ihn klein aussehen. Er wirkt aber wesentlich älter. Er trägt eine Zahnspange und ist auf dem Weg die Schule zu beenden. Er spricht gutes Englisch und will Travel und Tourism studieren um in anderen Ländern zu arbeiten. Wir haben einen Anknüpfungspunkt und ich erzähle ihm etwas über Deutschland und das wir auch eine eigene Sprache haben neben Englisch. Deutsch ist ihm dann aber doch zu schwierig!
Jason ist 19, seine übergroße blaue Jacke lässt ihn klein aussehen. Er wirkt aber wesentlich älter. Er trägt eine Zahnspange und ist auf dem Weg die Schule zu beenden. Er spricht gutes Englisch und will Travel und Tourism studieren um in anderen Ländern zu arbeiten. Wir haben einen Anknüpfungspunkt und ich erzähle ihm etwas über Deutschland und das wir auch eine eigene Sprache haben neben Englisch. Deutsch ist ihm dann aber doch zu schwierig!
Er zeigt uns einige Bräuche der
Zulu, die anscheinend auch heute noch vollzogen werden. Unter 17 müssen zum Beispiel Mädchen noch
Jungfrauen sein. Darum wird mit 17 getestet ob sie noch „a Virginity“ sind. Dieser
hochzuverlässige Test gestaltet sich folgendermaßen: Sie werden im Rahmen einer
Zeremonie auf den höchsten Berg im Dorf geführt und müssen auf eine spezielle
Art und Weise einen Schilfhalm durchbrechen. Gelingt ihnen das beim ersten Mal,
sind sie eine Virginity und dürfen danach sich einen Mann suchen. Haben sie den
Halm nicht durchgebrochen, kriegen sie ein Stück Land zum siedeln und müssen
dem Chief (und Namensgeber) des Dorfes eine Kuh kaufen. This
is why the Chief has so many Cows sagt er und lacht.
![]() |
| Jason zeigt, dass er keine Jungfrau mehr ist. |
Neben einer zerstörten Hütte steht
ein Baum, den Jason „Dangerous Tree“ nennt. Seine Blätter sehen aus wie die
Green Mamba und die Milch des Baumes zieht jene Schlangen grade so an. Dadurch
werden in seiner Nähe viele Leute von der Schlange gebissen. Jason erst ein
halbes Jahr vorher. Der Baum bringt viele Leute zum umsiedeln.
Weiter geht es zum Healer, dem Medizinmann
des Dorfes. Jason bereitet uns auf den Besuch vor, Frauen müssen links sitzen
(Auf einer Matte), Männer rechts auf einer Bank. Er geht vor, verbeugt sich,
das ganze wirkt sehr mystisch.
Die Realität sieht dann doch ein
wenig anders aus. In der Mitte der runden Hütte sitzt der Healer – eine etwa 70
jährige Frau. Sie spielt auf ihrem Samsung-Telefon herum, Wäsche hängt auf einer
Leine, Plastikflaschen mit undefinierbaren Flüssigkeiten stehen in der Ecke.
Sie ist freundlich, wirkt etwas gelangweilt. Wir wurden kurz in Zulu
unterrichtet und begrüßen sie mit „Sangone Undyani.“ – „*#?*“?!“ - „Ngila
Pila.“ („Hallo, wie geht’s? Mir geht’s gut, danke, wie geht es dir? Gut,
Danke“). Wir dürfen Jason fragen stellen und er fragt den Healer.
Es ist sehr interessant, Healer wird
man durch die Berufung durch die Ahnen während einer schweren Krankheit. Der
jüngste Healer im Dorf ist 16. Kommt ein Healer nicht weiter mit einem Kranken,
kommt er zu einem anderen Healer. Bei schweren Erkrankungen werden die Leute ins
Krankenhaus gebracht. Grade bei Aids/Hiv. Laut Jason gibt es infizierte, aber
nicht so viele.
Der weitere Weg durchs Dorf wirkt
wie durch eine andere Welt. Grade als Kontrast zu den schicken Malls der reichen
Bevölkerung in Durban. Kinder sammeln und verkaufen Holz und Schrott (2R für ein
Kilogramm), ein Hund jagt ein Lamm und verteidigt danach sein Revier vor einer
Kuh. Es gibt eine Ziegelmanufaktur, die einer der reicheren Familien gehört.
Jason spielt Fußball, ist aber momentan verletzt, weil er sich keine Fußballschuhe leisten kann.
Jason spielt Fußball, ist aber momentan verletzt, weil er sich keine Fußballschuhe leisten kann.
Später gibt es Mittagessen. Es ist
echt lecker, es gibt Pap (Brei aus Maismehl, der hier ein bisschen wie Reis
ist) und verschiedene Gemüsesorten, die alle sehr lecker sind. Gegessen wird
mit den Händen.
Danach wird ein Flohmarkt für uns zwei aufgebaut. Ca. 10min werden verschiedene
Handwerksarbeiten auf einer Decke ausgebreitet. Man bekommt ein echt schlechtes
Gewissen, aber ich möchte von dem Plunder (Der offenbar auch aus den ärmeren
Nachbarstaaten stammt), nichts kaufen. Lieber gebe ich später ein Trinkgeld. Es
gibt noch „traditionelles“ Zulutanzen (Es ist schwer zu sehen, was hier
Tradition und was Touristen-Nap ist). Die Mutter der Familie trommelt mit
leeren Cola und Sprite Plastikflaschen auf einem Plastikeimer, während die Kinder lachen und
tanzen. Es scheint ihnen zumindest Spaß zu machen.
![]() |
| Sehr lecker, auch mit den Händen! |
Mit einem seltsamen Gefühl im Bauch
treten wir die Rückfahrt an. Segrem erzählt uns noch etwas über die Zulu. Sie
haben immernoch einen König, der jedes Jahr eine Jungfrau zur Frau nimmt. Junge
Mädchen kommen zu ihm, tanzen für ihn und er darf sich entscheiden. Die meisten
Zulu leben unterhalb der Armutsgrenze und bekommen 250R pro Monat an
Sozialabgabe. Die Regierungen versorgt sie mit Toiletten und Wasser, es gibt
kostenlose Krankenversorgung und mehr oder weniger kostenlose Bildung.
Wenn man mit den Leuten spricht,
merkt man wie tief die Gräben zwischen den Kulturen noch sind und das alle dem
Lebensstil der (zumeist weißen) Oberschicht nacheifern. Fernseher und Handys
gehören fast zur Standardausstattung in den ärmlichen Hütten. Kein Wunder, dass
man als weißer Tourist immer wie ein Millionär gesehen wird, angequatscht und
ab und zu auch ausgeraubt wird. Damit muss man hier wohl leben!





Haha, endlich gelesen! Super interessant und die Passage mit dem Jungfrauentest ist wohl die lustigste überhaupt. :D
AntwortenLöschenEs ist krass, wie groß der Kontrast zwischen den gesellschaftlichen Schichten ist. Leider lässt sich daran kaum was ändern ... Selbst nach dem Lesen habe ich diesbezüglich ein komisches Gefühl im Bauch. Ich würde sehr gern was an der Situation da ändern, wie überall auf der Welt wo es so aussieht, aber leider ist das nicht möglich.
Pass bloß auf dich auf und lass dich nicht ausrauben und überfallen!!! Will meinen Niko heil zurück. :)
Drück dich und liebe Grüße! :*
Linda