Montag, 9. Juli 2012

Krügerpark


Ich konnte leider noch keine Bilder hochladen. Das Hostel hier erlaubt nur eine halbe Stunde Internet auf einmal. Ich werde einen neuen Post mit den Fotos machen, sobald es geht!

Johannesburg. So hatte ich mir meinen Geburtstag wohl eher nicht vorgestellt, aber da es so prima in meinen Zeitplan passt, sitze ich seit 7:30 Uhr im Bazbus Richtung Northern Drakensberg. Magda hat mir kurz vor Abfahrt noch zum Geburtstag gratuliert und mir eine kleine Flasche ihres kostbaren Zubrowka überreicht. Da war ich doch sehr gerührt!
Knapp sechs Stunden werde ich mit einem bunten Haufen von Rucksäcken und deren Begleitern im Bus verbringen. Es ist etwas eng, der Bus ist alt, es riecht nach Diesel und Öl, ein Steinschlag von 10cm prangt auf der Windschutzscheibe. Ich schreibe, höre zum x-ten Mal The Dark Third von Pure Reason Revolution und lasse mir dabei die letzten vier Tage durch den Kopf gehen. Unglaublich was schon wieder alles passiert ist.

Krüger Park. Nach einer sehr spaßigen Nacht in Bars und einem Club im Ausgehviertel Greenside mit Dylan, Magda, Jonathan und Bar (den beiden Israelis) und knappen zwei Stunden Schlaf werde ich von unserem Fahrer und Guide Sydney in einem Minibus abgeholt. Sydney ist ein sehr gemütlicher Typ, der offenbar sein Leben (und Essen) genießt. Es stellt sich später heraus, dass er ein unglaublich gutes Auge für Tiere hat. Sein Wissen über die Tierwelt ist auch sehr beeindruckend.
Ich entscheide mich für die Rückbank und nutze die Zeit um ein bisschen Schlaf aufzuholen. Unsere Reisegesellschaft besteht aus einer 67 jährigen Australierin namens Janice und drei HongKong-Chinesinnen, die lustigerweise genau in ihr Klischee passen.
Sie reden.
Chinesisch.
Wahnsinnig viel.
Ohne Quatsch, sie reden die GANZE Fahrt..
Irgendwann blende ich das ganze einfach als Hintergrundgeräusch aus. Wie das Rauschen von Turbinen in einem Flugzeug. Die drei arbeiten zusammen für eine chinesische Airline. Wie kann ihnen der Gesprächsstoff nicht ausgehen?
Pötzlich bleibt der Bus nach zwei Stunden einfach stehen. Sehr witzige Geschichte, aber ich will nicht zu weit ausholen. Kurz: Wir schieben den Bus drei Mal an, er fährt kurz und bleibt wieder stehen. Sydney hält einen Fremden an, lässt mich und die Chinesinnen einsteigen und zur nächsten Mall bringen. Dort warten wir zwei Stunden. Der neue Bus braucht ein bisschen länger von Joburg, denn der Fahrer wird von der Polizei wegen Rasens aufgehalten. Aber es geht alles gut. Es ist doch etwas relaxter hier als daheim.
Den Rest der Fahrt verbringe ich entspannt, lese Kafka on the Shore, höre Musik und gucke aus dem Fenster. Das Leben ist schön!
Wir kommen recht spät an und können das normale Programm (Eine ca. einstündige Tour durch ein Altenheim für Tiere) nicht mehr wahrnehmen. Wir kriegen etwas besseres, wir nehmen kostenlos an einer Nachtfahrt durch den Krügerpark teil. Und Sydney verspricht uns eine Überraschung für die Rückfahrt. Die Nachtfahrt klingt leider wesentlich besser als sie ist. Tagsüber sieht man erheblich mehr Tiere, nachts ist es pervers kalt und seit dem Stopp in der Mall um ca. 10 Uhr gab es nur Rusks zu essen (Sehr trockene Kuchen, die man in Kaffee tunkt um sie überhaupt essen zu können). Wir kommen um 23 Uhr zurück, essen schnell noch etwas und dann geht’s in die Unterkunft. Ich schlafe extrem gut und tief in meinem Zelt auf zwei Matratzen.
Ein Warzenschwein begrüßt mich als ich um 5:30 aufstehe und eine Giraffe und Janice (Die unglaublich viele interessante Dinge zu erzählen hat – die letzten zehn Jahre hat sie in Korea gearbeitet) unterhalten mich beim Kaffeetrinken. Dann geht es los in den Park. Die Sonne geht gerade auf, links und rechts halten Zäune Tiere fern, die Straße geht schnurgerade auf den Horizont zu. Für eine halbe Stunde geht es immer Auf und Ab. In den Tälern ist es unglaublich kalt, auf den Hügeln gut aushaltbar. Wir passieren den ersten Schlagbaum und sind dann schon im Park. Es folgt noch ein zweiter Schlagbaum und dann kommen wir zu einer Station namens Orpen. Es sind ein paar Läden und Unterkünfte umgeben von Elektrozäunen und Stacheldraht. Es erinnert alles ein bisschen an die letzten sicheren Orte in Zombiefilmen; wenn das Tor aufgeht, wenn die Guides den Boden unter dem Fahrzeug überprüfen, ob nicht doch irgendwo ein gefährliches Tier wartet. Neben Raubkatzen gibt es unter anderem auch jede Menge tödliche Schlangen hier. 

Orpen Station bei Sonnenaufgang

Wir tanken kurz, Sydney füllt Formulare aus und ein Elefant guckt uns interessiert zu. Nach der Station Orpen sind wir endlich „richtig“ im Park. Es gibt hunderte Tiere und es ist unglaublich beeindruckend. Guckt euch dazu einfach die Bilder an, ich habe eine kleine Auswahl hochgeladen. Die schöneren Fotos dabei sind übrigens nicht von mir sondern von zwei Deutschen, die unsere Reisegruppe im Park komplettieren; Burkhard und Vladi. Sie taufen die Chinesinnen liebevoll „Hühner“, weil sie immer noch nicht aufgehört haben zu gackern. Erst nach einer wütenden Intervention schafft Sydney sie zumindest ab und zu vom Reden abzuhalten. Unsere lustige Reisegruppe kommt trotzdem gut miteinander klar.
Die Löwen hören wir zunächst nur brüllen. Man kann sie dank der guten Tarnung erst nach eine langen Suche mit dem Fernglas unter einem Baum liegend erkennen. Überhaupt ist Tarnung bei Tieren etwas, das ich erst im Park verstanden hab. Warum Zebras (und auch z.B. Kühe) so seltsame Muster haben, warum Nilpferde und Rhinos grau sind. Sie alle sind schwer zu sehen bzw. auseinander zu halten. Löwen und Leoparden erst recht. So dauert es sehr lange, bis man überhaupt Tiere erkennt, doch man bekommt schnell Übung. Einen Leoparden sehen wir leider nicht und so kann ich nicht von mir behaupten die „Big Five“ gesehen zu haben. Diese haben ihren Namen von Jägern, die sich bei ihnen auf die fünf am schwersten zu erlegenden Tiere einigten; Elefant, Rhinozeros, Büffel, Löwe und Leopard. Nach dem Leopard ist es am schwersten das Rhino zu sehen, da es so extrem selten geworden ist. Wir sehen nur zwei von weit entfernt. Rhinos werden illegal gejagt, weil chinesische Quacksalber Potenzpillen aus den Hörnern machen. Widerlich. Vielleicht sollte man einfach Mal in rauen Mengen Viagra nach China spenden. Es ist eine Schande, dass ein so mächtiges und schönes Tier von der Erde verschwindet, weil kleine Männer denken, es würde sie potenter machen.

Eins der beiden Rhinos, die wir gesehen haben
Sydney kocht sehr leckeren englischen Brunch auf einem Picknickplatz, dann geht es weiter. Wir sehen eine Hyäne mit ihrem Jungen, riesige Zebraherden, Elefanten und andere Tiere. Dann fahren wir nur zehn Minuten weiter und sehen plötzlich komplett andere Tiere. Zwei Sträuße waten durch das hohe Gras, duzende Geier sammeln sich an einer Stelle, Affen kreuzen den Weg. Es ist unglaublich. Nach einem langen Tag kehren wir in die Lodge zurück, es gibt tolles Essen und einen Absacker an der Bar. Ich lerne den Barkeeper John und seinen Sohn Luke aus England kennen.

Am nächsten Morgen geht es schon um 5:00 los. Ich sage Pumba guten Morgen. Hakuna Matata. Warzenschweine sind irgendwie die sympathischsten Tiere hier, sie sehen immer quietsch vergnügt aus, wenn sie durch die Gegend hüpfen. Nach einem schnellen Kaffee geht es wieder in den Park. Es ist genauso beeindruckend wie am Tag zuvor, die Größe ist erstaunlich (Jonathan sagte mir, der Park sei größer als Israel), wir sehen 40-50 Löwen in 5-6 Rudeln an verschiedenen Stellen, eine Giraffe, die um ihr gerissenes Junges trauert und einen missglückten Hinterhalt zweier ausgehungerter Löwinnen. Es gibt Frühstück und später Mittagessen. Sydney erzählt uns viel über die Tierwelt, über das Leben in Afrika und seine Arbeit. Er erzählt von dem Wertverlust von Elfenbein, der die Elefanten gerettet hat und von geheimen Lagerplätzen für Elefantengebeine irgendwo im Krügerpark. Wir passieren kleine Flüsse, kommen an Krokodilen und Schildkröten vorbei, eine unglaubliche Vielfalt an Pflanzen, Tieren, Vögeln. Affenbrotbäume, Steppe, gelbes Gras.

Tolle Aussicht


Abends sind wir wieder in der Lodge. Ich sitze mit Burkhard und Vladi an der Bar, kopiere mir die Bilder von seiner Kamera und checke meine. Es sind übrigens keine Spiegelreflexkamerabilder, sondern von einem Zwischenmodell zwischen Kompakt und SRK für irgendwas um die 400€. Ich denke beim Betrachten, ich sollte mir bald mal eine neue Kamera kaufen, meine sind doch etwas schäbig geworden. Wir unterhalten uns mit John und Luke, Johns Freundin ist da und erzählt noch etwas von sich, dem Leben im Dorf und Rassismus in Südafrika. Später bringt sie mir ein bisschen ihre Sprache bei – Tonga. Kundyani. Wana Ke?
Am nächsten Morgen gibt es Rusks und wir brechen unser Lager ab. Es geht heim. An einem Stand kaufen wir riesige Mandarinen und der ganze Bus duftet danach. Sydneys Überraschung ist ein kurzer Stopp bei den Potholes. Viel besser als alte Tiere in Käfigen! Diese Felsformation ist in Jahren durch zwei Flüße entstanden, es ist allerdings eher was zum Genießen als darüber zu schreiben. Danach fahren wir noch am Rand des Blyde River Canyons, dem drittgrößten Canyon der Welt, vorbei und steigen kurz aus um Bilder zu machen. Der krönende Abschluss einer wirklich tollen Tour.


3 Kommentare:

  1. Ein sehr schöner und umfassender Bericht, der wirklich Lust auf dieses Land macht ... mach weiter so - es macht Spaß dies zu lesen. Danke!
    Ich wünsche Dir auch weiterhin viele spannende Abenteuer und tolle Augenblicke! Daniel

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  2. Jaaaa, was du schreibst ist wirklich super unterhaltsam und interessant und das beste ist, du trägst auf dem letzten Foto die Pegasus-Schuhe!!! :) War die Woche laufen und hab an dich gedacht während ich mit meinen Pegasus-Schuhen für einen neuen Linda-Rekord trainiert habe.

    Niko, LIEB!!! Pass auf dich auf, sonst gibts Ärger! ;)

    Liebste Grüße von der kleinen Pegasus-Linda!

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  3. so, wir sind wieder daheim... wenn du Lust hast... jetzt könnten wir mal skypen.D,h. nicht jetzt sofort, weil wir noch mal den Urlaub ausklingen lassen wollen. Pass gut auf dich auf!!!!!!!!!!

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