Sonntag, 2. Dezember 2012

Crossing Canada!



Crossing Canada. Nach ein paar letzten, sehr anstrengenden Tagen kommt mein letzter Arbeitstag in Richmond. Ich verabschiede mich von Allen und wir gehen ein letztes Mal mit dem kompletten POD (Palace of Dreams, Name unserer Wohngemeinschaft. Mein Alternativvorschlag, „Der Bunker“ ist nicht so gut angekommen.) in die Bar des Cambie Hostels, wo alles angefangen hat, um Abschied zu feiern.

Am nächsten Tag packe ich meine Sachen und treffe mich abends mit meiner Mitfahrgelegenheit nach Banff in Alberta. Es dauert die ganze Nacht und er hat das starke Bedürfnis sich zu unterhalten. Also nix mit Schlafen. Mit mir sind noch zwei Australier unterwegs, die in Banff nach Jobs suchen wollen. In den Skigebieten hier arbeiten übrigens unglaublich viele Australier, Whistler wird deswegen auch gerne mal Whistralia genannt. Etwas ungläubig frage ich nach Skigebieten in Australien. Es gibt immerhin vier, die von Mai bis August offen sind.

Weil ich blöd geplant habe, ist Andrea, meine Kollegin von Camp Adventure, genau an diesem Wochenende nicht in Banff. Also geht’s mal wieder ins Hostel. Der Rideshare klappt problemlos und wir kommen morgens um 5 an. Ich bleibe im Samesun Hostel, dass auch schon in Kelowna toll war. Wir dürfen nicht mehr einchecken, kriegen aber kostenloses Frühstück (Mit Pfannekuchen!) und dürfen im Gemeinschaftsraum rumhängen, schlafen und es gibt sogar duschen! Dadurch, dass ich die ganze Nacht wach war, verpasse ich aber leider meinen einzigen sonnigen Tag in Banff.
Banff ist ein, mit gerade einmal 8000 Einwohnern, sehr kleiner Ort, mitten in den Rockies. Ich unternehme ein bisschen was mit den Leuten aus dem Hostel und genieße das erste und letzte Mal Schnee in diesem Jahr für mich. Am nächsten Tag werde ich von Andrea abgeholt und kann bei ihr und ihrer Freundin Emily in ihrem Bed and Breakfast auf dem Sofa schlafen. Wir gehen Essen und ich esse eine kanadische Spezialität, Elch! Schmeckt ziemlich gut! Abends lerne ich den Sunday-Funday kennen, der für die (Saison-) Einheimischen der Tag ist, an dem alle ausgehen. Gute Zeit!
Da es Kanada ist erwarte ich eigentlich wahnsinnig hohe Preise zum Ski fahren und bin überrascht, dass man für unter hundert Dollar inkl. Ausrüstung für einen Tag fahren kann. So entscheiden wir uns den nächsten Tag Ski fahren zu gehen. Mit dem Auto geht es ins 50km entfernte Lake Louise, ein noch viel kleineres Dorf mit Skigebiet und dem berühmten Namensgeber des Ortes, Lake Louise. Eigentlich ein traumhafter Ausblick, heute ist nur alles nebelig und grau. Nunja, das kommt davon, wenn man im Winter verreist!

Lake Louise und ich. Eigentlich sollte es so aus sehen wie in dem kleinen Bild.
Mit dem Skifahren geht es ganz gut. Das Skigebiet ist schön übersichtlich und ich kann nach ein paar Problemen am Anfang am Ende recht gut mit den beiden mithalten. Sie sind natürlich wesentlich erfahrener als ich, man kann hier kaum aufwachsen ohne Skifahren zu gehen. Einmal jagen sie mich eine Double Black Diamond Piste runter, das Schwierigste, was es neben Backland so gibt. Bis auf zwei Mal Ski verlieren passiert aber nichts! :o) Abends gibt es noch megagute Pizza und dann fallen wir alle erschöpft ins Bett.

Weil's so schön ist, ein paar Bilder von Banff.




Dienstag muss ich meinen Flug um 17 Uhr im 150km entfernten Calgary erwischen. Hier oben gibt es so gut wie keine öffentlichen Verkehrsmittel, der Greyhoundbus fährt gar nicht an dem Tag und der Airportshuttle kostet 50$. Zu viel. Also mache ich mich um 8 Uhr früh mal wieder per Anhalter auf die Reise. Ich stehe keine 10 Minuten am Highway und werde von einem sehr netten Philipino aufgesammelt. Er bringt mich zu einer Metrostation im Süden von Calgary und da es erst 11 Uhr ist, habe ich die Chance auch diese Stadt ein bisschen näher kennen zu lernen.
Es ist kalt. Und grau. Das ist das, was ich von Calgary behalte. Viel Beton und es dampft aus den Gullis. Vermutlich tue ich der Stadt damit Unrecht. Denn dank der kostenlosen Tram Downtown kommt man aber gut von A nach B und es sieht so aus, als würde es hier extrem viele Theater und Bühnen geben. Schade, dass ich nicht länger hier bleiben kann. Ich nehme den öffentlichen Bus zum Flughafen und fliege dann um 17 Uhr von Calgary über Toronto nach Montreal. 

Calgary. Grau und kalt. Noch Fragen?
Da der Flug verspätet ist, muss ich einen späteren Flug nach Montreal nehmen und komme um halb 3 an. Ich sitze ein bisschen am Flughafen, trinke Tim Horton’s Kaffee und suche mir eine Verbindung und ein Hostel Downtown. Google gibt nur wirre Angaben raus, erklärt mir aber, dass ich den 356er nehmen muss. So frage ich einen Mann in Uniform und Warnweste vor dem Terminalgebäude „Excuse me Sir, where can i find the 356 Bus?“ er antwortetet stammelnd, dass er absolut kein Englisch kann. Also frag ich erneut in meinem brüchigen Französisch „Excusé moi monsieur, est-ce que vous savez d’ou depart le bus 356“ und er antwortet mir wo ich hin zu gehen habe. In perfektem Englisch. Naja, man hat mich vor Quebec und seinen stolzen Einwohnern gewarnt!
Ich komme um halb 6 im Hostel an und erwarte, dass ich das gleiche machen kann wie zuvor in Banff. Leider ist das Hostel dafür nicht zu haben und so beschließe ich meinen 22 Stunden Tag auf ein paar mehr Stunden aufzustocken, schließe meine Sachen ein und schaue mir zu Fuß die Altstadt, den alten Hafen und den Sonnenaufgang ab. Hammer Atmosphäre. 

Ein paar Bilder von Montreal




Fand ich sehr geil. Das Badeschiff, Montreal Edition.



Notre Dame de Montréal.

Streetart gibt's auch ein bisschen.
Die Stadt wacht langsam auf, ich trinke einen Cappuchino in einem Café aus einer Tasse. Klingt normal, ist es aber nicht. In Nordamerika gibt es eigentlich nur Coffeeshops und man bekommt in 90% der Fälle einen Pappbecher. Auch wenn man sein Getränk vor Ort trinkt. Ich wandere noch ein bisschen herum und schaue mir die Stadt an. Es ist kalt, doch die aufgehende Sonne scheint angenehm warm. Ein paar Jogger rennen herum, eine Frau ruft in Französisch ihrem Hund nach. Aber die Taube ist wohl interessanter. Es ist schwer eine Stadt zu genießen, wenn man den ganzen Tag und die ganze Nacht auf den Beinen war. Trotzdem gelingen mir ein paar gute Fotos. Um 10 gehe ich zurück ins Hostel, frage ob ich mein Bett früher haben kann und darf tatsächlich schon ins Bett. Voller Erfolg.

Abends gehe ich noch mit einer Freundin eines guten Freundes aus Deutschland und ihrem Freund in eine Bar, und später singen wir Karaoke! Meine deutsche Version von 99 Luftballons kommt so gar nicht gut an und zur Entschuldigung einige ich mich noch darauf die französische Version von Bryan Adam’s „Here I am“ zu singen. Klappt sogar ganz gut! 



Dann geht es wieder ins Bett. Ich schlafe aus und treffe dann meinen Kindergartenfreund Hauke (den ich in Tofino getroffen hab), mit dem ich eine typisch „quebecoise“ Spezialität esse: Poutine. Im Prinzip Pommes mit Soße und Käsequark. Lecker, aber es haut mich jetzt nicht um. Aber man ist stolz darauf hier, es ist die einzige wirkliche kanadische Spezialität! 

Nein ich gähne nicht, ich versuche so auszusehen, als würde ich es in mich reinschaufeln. Das ist übrigens Poutine mit Schinken, Speck und Paprika!
Sein gesundheitlicher Zustand lässt nicht viel mehr zu und so schließe ich mich abends dann Leuten aus dem Hostel an und wir gehen zu einer mittelmäßigen Comedyshow, die etwas enttäuscht, schließlich ist Montreal berühmt für Comedy und kleine Bühnen.

Montreal gefällt mir sehr, es ist sehr europäsch, was ich wahrscheinlich vermisst habe. Enge Gassen, alte Gebäude, kleine Läden. Sehr französisch und auch stolz darauf. In der Tat erinnert es mich stellenweise sehr an Paris. Vielleicht liegt das auch an Notre Dame de Montréal. Wer weiß. Witzige Anekdote zur französischen Sprache. Man versucht hier eh sein eigenes Ding zu machen und sich möglichst auch unabhängig zu machen. Entsprechende Partei dazu ist gerade an der Macht. Starbucks heißt hier Le Café Starbucks und Walmart muss jetzt durch einen Gerichtsprozess, denn die Regierung möchte, dass die Läden Le Magasin Walmart getauft werden.

Von Montreal fahr ich mit Mitfahrgelegenheit nach Toronto. Diesmal nur 5 Stunden. Mit uns im Auto ist ein junger Mann aus Brasilien, der nach Kanada eingeheiratet hat. Er ist Berufskletterer und wechselt unter Anderem Glühbirnen auf Sendemästen aus. Es ist eine sehr witzige Mitfahrgelegenheit und gemeinsam arbeiten wir das Skript zu einem Film aus, basierend auf dem Familien-Zusammenführungsprozess von Kanada. Denn dieser sieht vor, dass das junge Paar Ordnerweise Beweismaterial sammelt, dass die Beziehung „legit“ ist. Wir folgern, dass es in Kanada irgendein Archiv gibt, das voll mit Liebesbriefen und Beweisen für die Echtheit von tausenden von Paaren. Und es Mitarbeiter gibt, die darüber urteilen müssen, wie echt und romantisch eine Beziehung ist. Wenn ich Zeit habe, arbeite ich das ganze mal aus!

In Toronto wohnen noch weitere Kollegen von Camp Adventure. Zunächst fahr ich von Toronto fahr ich gleich mit dem Bus weiter Richtung Mississauga und treffe mich mit Amanda, die mich in einem Schicken Mercedes abholt. Ein Stückchen Heimat! Ich kriege mein eigenes Bett im Gästezimmer des großzügigen Hauses und sie zeigt mir ein bisschen von der Gegend, unter anderem Oakville, ein niedlicher Ort am Meer und sie fährt mit mir bis zu den Niagarafällen an der amerikanischen Grenze.
Niagara Falls ist das dazugehörige Dorf. Es ist vermutlich auf Indianerland gebaut, es gibt massig Casinos dort. Es wirkt wie mitten in den 90ern stehen geblieben, so gibt es alles, was ich aus der amerikanischen Popkultur (Also Simpsons, Filme und Videospiele) so kenne. Burgerrestaurants, ein Urwald-Themenrestaurant (was irgendwie richtig cool ist), ein Obskuritätenkabinett (Hohlspiegel und optische Täuschungen) und alles in trashigem, bunten Plastik. Es lenkt ein bisschen von den zugebauten Niagarafällen ab, die trotzdem sehr cool ist. Sobald Amanda mal hinmacht, gibt es auch davon Fotos!
Leider ist sie mitten in ihren Uniklausuren (Wie alle anderen auch) und so ziehe ich bald nach Toronto Downtown weiter. Dort kriege ich von Tamar die Schlüssel zu der Wohnung, in der sie und ihre Mutter am Wochenende wohnen. Downtown Toronto, direkt am Wasser im 14. Stock. Ich mache es hiermit offiziell, Camp Adventure ist der SHIT und jeder sollte da mitmachen. Punkt.

Toronto gefällt mir auch sehr gut, entgegen der Meinung von vielen anderen vorher. Es gibt viel zu entdecken und wieder mal bin ich viel zu kurz hier. Ich sehe CN Tower, Downtown, das Royal Musée d’Ontario und und und. Abends treffen feiern wir eine kleine Camp Adventure Reunion und gehen in eine Bar namens Snakes & Lattes. Es ist eine Bar/ ein Café, in dem man sich Brettspiele ausleihen und spielen kann. Klasse Erfindung und ich hoffe Berlin hat demnächst etwas Ähnliches. (Der Brettspielladen auf der Kopernikusstraße zählt nicht, der ist zu klein und eben nur ein Café!) Wir spielen Apples to Apples, ein megawitziges Kartenspiel und ein Trivial Pursuit Spiel über Canada. Bei dem ich übrigens nicht letzter werde! Großartiger Abend.

Das ROM...

...und Toronto's allgegenwärtiger Kontrast zwischen Alt und Neu.
Als ich das schreibe sitze ich in Tshirt und Badehose im Hostel in Playa del Carmen, Mexico. Fühlt sich komisch an und wirkt schon wieder so lange her alles. Aber Kanada hat mir sehr gut gefallen. Die Arbeit war rückblickend perfekt für mich und die Zeit in der Wohnung eine willkommene Entspannungsphase. Reisen in Kanada war super! Ein bisschen teuer ist es, was einem schon mal auf die Nerven gehen kann. Dafür macht das Land alles mit seinen superfreundlichen Leuten, der unglaublichen Landschaft und seiner Vielseitigkeit wett. Ich will definitiv noch einmal wieder kommen! Morgen geht es nach Peru! Blöderweise liegt mein Kameraladegerät in der Bude in Toronto. Fotos kommen also erst mal nur noch vom Handy und von Anna und Jessi.. Mal sehen wie das wird!




1 Kommentar:

  1. Ach Niko, es ist so schön die Bilder von Canada zu sehen und deinen Text zu lesen, Oma hat es gerade gelesen und sich bei mir umgedreht und da hängen die Bilder vom ROM

    AntwortenLöschen