Dubai Airport. Was für ein Teil. Aus den nebelartigen Sandwolken erhebt sich Terminal 3
des Flughafens. Wie ein gigantisches Raumschiff. Man kann nur unscharf aus den
mit Werbung beklebten Flughafenbussen schauen. Alles wirkt unecht. Es ist heiß.
Ich bezahle meinen Kaffee bei Burger King (2,47€) mit der Kreditkarte. Dann
geht es weiter Richtung Johannesburg.
Johannesburg.
Tag 4. Ich sitze mit einem Cappuccino in einem Kaffee im Keller der Hyde Park
Mall, deren Namensgeber der umliegende Bezirk Hyde Park ist. Gegenüber ist die
Filiale der dot FNB Bank und ich sitze auf einer dunklen Holzbank mit schwarzer
Maserung. Das Radio spielt eine Mischung aus spanischer und südamerikanischer
Musik. Hyde Park ist der Nachbarbezirk von Dunkeld West, in dem sich mein
Hostel, das Backpacker’s Ritz, befindet. Beide Bezirke gehören zu den reichen
Nordvierteln Johannesburgs, dementsprechend findet man hier vor allem die
gehobene Mittelschicht. Die teils gigantischen Häuser sind eingezäunt, mit
Stacheldraht verstärkt, teilweise mit Schlagbäumen und
Rund-um-die-Uhr-Überwachung. Schilder warnen vor armed response, bewaffnetem Gegenschlag, auf Einbrüche. Die Straßen
sind gesäumt von Palmen, es riecht es nach Zweitaktmotoren und über die Straßen
schieben sich alle Sorten von Autos, neue, luxuriöse genauso wie alte, kaputte.
Immer mit dabei: Die Minibustaxis, die bis obenhin mit Mitfahrern vollgestopft
sind. Sie sind übernehmen einen Großteil des Nahverkehrs hier vor Ort. Es gibt noch
Busse und Vorortzüge, aber die sind wohl unsicher und unpünktlich. Minibustaxis
sind eben immer da.
Und das ist das wirklich nervige an
Johannesburg: Man kommt hier nicht weit, wenn man kein Auto hat. Es ist eine
Stadt für Autofahrer. Kaum Fußwege, weite Strecken, keine U- oder Straßenbahn.
Um in ein Minibustaxi zu steigen
fehlt mir der Mut. Es gibt ein System sie anzuhalten: Hält man einen Finger in
die Höhe bedeutet das, man möchte in die Innenstadt. Wenn der Fahrer dorthin
fährt hält er einen an. Soweit, so einfach. Erste Regel: Niemals bis zur
Endstation fahren, die Gefahr dort am Taxistand ausgeraubt zu werden, ist viel
zu hoch. Zweite Regel, immer genug Kleingeld dabei haben. Die größte Münze ist
5 Rand, was ca. 50€c entspricht. Eine Fahrt kostet ca. 15 Rand. Es gibt keine
Ansagen, man muss sich einfach auskennen. Und wichtig, die Busse verkehren auf
bestimmten Routen; aber fährt man mit einer bestimmten Route in die Innenstadt,
kommt man auf dem Rückweg mit der gleichen Route nicht unbedingt dort raus, wo
man herkam. Man braucht das entsprechende Handzeichen und eine gewisse
Vorstellung wo man hin will. Mehr bekomme ich nicht heraus. Viele raten von
einer Fahrt ab. Es gäbe noch richtige Taxis, die aber sehr teuer sind.
Aus diesem Grund entscheide ich erst
einmal im Hostel zu bleiben und die Tage zu planen. Ein kurzer Ausflug um Essen
einzukaufen, das war’s. Den anderen Reisenden geht es ähnlich. Am zweiten Tag
entscheide ich mich einer vom Hostel geplanten Tour in das Township Soweto
anzuschließen. Immerhin für 400 Rand.
Soweto ist
unglaublich. Soweto steht für South-West-Township und ist das größte und
älteste Township hier. Es wurde angelegt um die armen, meist schwarzen,
Arbeiter während der Apartheid von Johannesburgs Innenstadt fernzuhalten. Nelson
Mandela ist hier aufgewachsen, er und zwei seiner Ex-Frauen haben immer noch
ein Haus hier vor Ort. Es gibt schöne Siedlungen mit Vorgärten – immerhin leben
3 Millionäre hier – es gibt nicht so schöne Siedlungen mit einfachen und gedrängten
Häusern, und es gibt Slums. Wir sind eine Gruppe von 4 Personen, zwei Israelis
in meinem Alter und eine Britin, etwas älter als ich. Unser Fahrer Jama zeigt
uns zunächst die Gegenden der Upperclass
und upper Middleclass. Wir kommen am
größten Krankenhaus Südafrikas und einer Uni vorbei.
| Der Freedom Square |
Am Freedom Square lässt Jama uns mit einem
Einheimischen allein. Er ist sehr nett, spricht leider sehr schwer
verständliches englisch und beendet seine Sätze immer mit „Any Questions!“.
Keiner versteht ihn, daher gibt es auch kaum Fragen, was ihn etwas traurig
macht. „If you don’t ask I have no fun!“. Er führt uns an Verkaufsständen
vorbei, Müllbergen, Frauen, die den Einkauf auf dem Kopf heimtragen, sogar
einem Museum. Wir überqueren eine Fußgängerbrücke, über eine Zugstrecke, in die
Slums. Wir sind kein ungewöhnlicher Anblick. Kinder rennen vorbei, schreien
„Shoot me, shoot me“ – sie wollen, dass wir Fotos machen. Es riecht nach
verbranntem Gummi, Exkrementen, gemischt mit frisch zubereitetem Essen. Hühner
laufen auf den Straßen rum. Wir kommen in eine Schule der SKY Soweto Kliptown Youth
– Organisation, die 200 Kinder beherbergt, getragen von Spenden. Dort werden
wir an eine ca. 13 jährige übergeben, die uns herumführt. Sie erzählt uns vom
Leben in der Schule, dem Ziel Fremdenführerin zu werden und zeigt uns die
Anlage. In einem Raum stehen 6 Betten. Ich frage wie viel Kinder hier schlafen.
Als Antwort darauf bekomme ich 100. Es muss so sein, es gibt schließlich keine
weiteren Schlafsäle.
| Slums |
Das Mädchen übergibt uns wieder an
unseren zweiten Führer. Er erklärt, er habe hier englisch gelernt und das Leben
hier habe ihn motiviert hart zu arbeiten und zu lernen. Er verdient genug Geld,
lebt aber weiterhin in den Slums. Er möchte sein Geld nicht für die Unterkunft
ausgeben, er ist das Leben so gewohnt.
Wir verlassen Soweto und werden
wieder an Jama übergeben. Er fährt uns zurück, fragt uns ein bisschen über
unsere Meinung aus, aber wir sind viel zu beeindruckt. Auf dem Weg zurück fahren
wir an Soccer City vorbei, das Stadion für den World Cup 2010. Fußball ist
sowieso allgegenwärtig hier, so war auch Sonntagabend das Endspiel der Euro
2012 das Highlight des Tages. Wir sehen noch einige beeindruckende Zeugnisse aus der
Südafrikanischen Geschichte (Das Memorial für Pieterson, ein ihm gewidmetes Museum und das Haus Nelson
Mandelas).
Auf der Hinfahrt hatte ich spontan
entschieden, mir am Nachmittag noch das Apartheidmuseum anzuschauen. Jama wirft
mich alleine vor dem Eingang raus, die anderen sind zu müde dafür. Ich kaufe
mir billige Fish&Chips und warte auf Merel, einer Holländerin aus dem
Hostel, die im gegenüberliegenden Gold-Reef-City-Theme Park ihren Vormittag
verbracht hat. Gemeinsam schauen wir uns das Apartheidmuseum an. Ein irrer
Komplex und ein faszinierendes Thema. Jeder sollte sich dieses Museum
anschauen, wenn er die Möglichkeit hat.
Da unser Abholer erst um 5 kommt,
wir um 3 das Museum aber schon abgeschlossen haben, beschließen wir den Rest
der Zeit im angeschlossenen Garten den Blick über Johannesburg zu genießen.
Merel hat ihre Reise bereits hinter sich und freut sich auf zu Hause. Ich
bekomme gute Tipps für Südafrika.
Ein wahnsinnig vollgepackter Tag,
der mir viel von der Geschichte und dem Leben in Johannesburg gezeigt hat. Vor
allem über die Angst der Weißen vor den Schwarzen und der resultierende
Rassismus.
Die restliche Zeit in Johannesburg
verbringe ich im Backpacker’s Ritz. Es ist sehr relaxed hier, das Hostel liegt
am Hang, hat einen tollen Garten und einen Pool (Es ist aber viel zu kalt). Ich
liege in einem Raum mit 14 Betten, aber das geht problemlos mit Oropax. Zwei
der Gäste, Magda und Dylan, arbeiten in Johannesburg und ich erkläre mein
Dilemma mit dem Nahverkehr. Für sie nichts Neues. Außer geführten Touren oder
in der direkten Umgebung haben sie noch nicht viel in Johannesburg gemacht.
Magda, eine Polin ist seit März hier, Dylan aus den USA seit ein paar Wochen.
Sie verbringen die Zeit an der Arbeit oder im Hostel.
| Der Schlafsaal des Ritz Backpackers |
Morgen geht es für vier Tage auf
Safari in den Krüger Park und danach mache ich mich auf den Weg nach Kapstadt,
mit dem ersten Stopp in Drakensberg. Johannesburg hat seine schönen Seiten,
aber ich denke, dass ich nicht hier her zurückkommen werde.

Ein Hauch von Freiheit und endloser Hoffnung! Mein Guter, schreib alles auf, alles! Nicht für mich und deine vielen Fans, aber für dich! Ich bleib dran und freu mich auf die vielen schönen Geschichten aus der großen weiten Welt! :) Keep care man! Denk dran, keine Bonbons von fremden Menschen annehmen, haha!
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